den Kronprinzen zum Landesverräter zu stempeln
Schließlich wurden auch Italiener, die der in fremdem Lande lebenden Familie nahe standen und zu helfen suchten, verfolgt. Besonders niederträchtig wurde dem früheren italienischen Obersten Grammacini mitgespielt, der dem Kronprinzen treu ergeben, ihm immer wieder in jeder Weise geholfen hatte.
Eines Tages war in einem Gespräch von der Ueberflutungskatastrophe durch die Zerstörung des Staudammes am Erftalkraftwerk durch Bombenangriffe der Engländer die Rede gewesen. Oberst Grammacini fragte dabei, ob nicht durch Zerstörung des Staudammes am Walchensee , hoch in den Bergen, eine Ueberflutung Münchens und Oberbayerns zu befürchten sei. Der Kronprinz, als genauer Kenner aller bayrischen Verhältnisse, berichtet über dieses Gespräch in seinem Tagebuch:
,, Die Befürchtung", erwiderte ich, daß München durch die ausbrechenden Gewässer des Walchensees vernichtet werden könnte, sei schon im Mittelalter gehegt worden und noch jetzt werde zur Abwehr einer derartigen Gefahr auf Grund einer alten Stiftung alljährlich in einer Münchener Kirche eine Messe gelesen. Die Möglichkeit eines Ueberströmens des Walchensees sei aber selbst im Falle eines heftigen Luftbombardements völlig ausgeschlossen."
Einige Wochen darauf wurde Grammacini verhaftet, weil er verfolgten Juden und Antifaschisten geholfen hatte. Er wurde von den italienischen Behörden jedoch bald entlassen, da keinerlei ernsthafte Vorwürfe gegen ihn aufrecht erhalten werden konnten. Nun bemächtigte sich aber die Gestapo seiner. Die Spigel hatten wieder einmal gute Arbeit geleistet. Das Gespräch zwischen Oberst Grammacini und dem Kronprinzen wurde zum Gegenstand eines außerordentlichen Verhörs gemacht, bei dem der alte italienische Offizier in der unerhörtesten Weise drangsaliert wurde. Die Gestapo hatte das Gespräch über den Walchensee auf den Kopf gestellt und bemühte sich nun, bei Grammacini ein„ Geständnis" zu erpressen, der Kronprinz habe ihm, zur Weiterleitung an die Engländer, Pläne des Walchenwerksstaudammes ausgehändigt, um dessen Zerstörung und damit die Vernichtung eines großen Teiles von Oberbayern zu erwirken.
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