Vorwort
Seitdem Adolf Hitler auf den propagandistisch sehr wirkungsvollen Einfall fam, München den Titel„ Hauptstadt der Bewegung" zu geben, ist es in wenig unterrichteten Kreisen Sitte geworden, unser Bayern mit dem Odium zu belasten, als trüge es die Hauptschuld an jenen schrecklichen Jahren, die zum Untergang Deutschlands führten. Es ist vergebens darauf hingewiesen worden, daß die Wahlziffern für die NSDAP . im Wahlkreis Oberbayern - Schwaben immer zu den niedrigsten im Reich gehörten, daß in keiner Stadt Deutschlands auf der Straße und in den Kaufläden der Gruß„ Heil Hitler" so gut wie verpönt war, wie es in München der Fall war, wo man ihn nirgends hören fonnte.
Wohl trifft unsere, Stadt die Schuld, daß hier, wo die Abneigung gegen die Weimarer Republif am stärksten war, die Partei entstand, aber sie ist einigermaßen aufgehoben durch die Tatsache, daß hier und nur hier die staatliche Gewalt mit der Waffe in der Hand dem beginnenden Unheil entgegentrat, und während in manchen anderen Hauptstädten Deutschlands die politisch rechts stehenden Kreise gedanfenlos der nationalen Phrase des verhängnisvollen Trommlers nachliefen, hat hier in München und in ganz Bayern , freilich begünstigt durch bessere Kenntnis der kläglichen charakterlichen Unzulänglichkeit Hitlers und seiner Kumpane, der konservative Kern der Bevölferung das Hitlertum in eindeutigster Weise abgelehnt.
Dies war nicht zuletzt das Verdienst des Herrscherhauses der Wit telsbacher , die anders als anderswo den verführerischen Lockungen des Braunauers von Anfang an aus klarem politischen Instinkt und aus der Erfahrung langer Jahrhunderte heraus, die zu einem natürlichen Fühlen mit dem Volke führte, jedes Gehör versagte. Wenig be tannt aber ist es, welch hohen Preis die Wittelsbacher für diese mannhafte Haltung zahlen mußten.
Von dieser Haltung und jenem Preis möchten die folgenden Seiten erzählen. Oberflächliches Denken ist geneigt, sich vorzustellen, als lebte der Anwärter der bayerischen Krone nur von dem Wunsche, diese Krone wieder zu tragen, auf die er ein unabdingbares Recht hat, auf das weder sein Vater, König Ludwig III. , noch er je verzichtet hat, und das ihm zu rauben niemand, auch kein Parlamentsbeschluß jemals berechtigt war. Solches Denken sieht nur das Recht, sieht nur vielleicht mit ihm verbunden die Annehmlichkeit eines königlichen
7


