Die Schikanen gegen den Kronprinzen nehmen zu
Die Kette der Schikanen riß indeß nicht ab. Gleich nach Kriegsbeginn beschlagnahmte Gauleiter Adolf Wagner das Schloß Leutstetten, den Wohnsitz des Kronprinzen, unter dem Vorwand, daß Flüchtlinge aus dem Saargebiet dort untergebracht werden müßten. Das mar natürlich alles Lüge. Es tamen keine Flüchtlinge aus dem Westen, und wenn sie gekommen wären, hätte man sie auf die zahlreichen Luxusvillen der braunen Bonzen verteilen können, die doch meist leer standen, da ihre Besitzer über zahlreiche Wohnsize, Schlösser, Villen und städtische Dienstwohnungen verfügten.
Auf den Einwand, daß man einem Deutschen nicht seine einzige Wohnung nehmen könne, erwiderte der Kreisleiter von Starnberg, das gehe ihm nichts an,„ der" könne hingehen, wohin er wolle. Es ging nur darum, dem Kronprinzen und seiner großen Familie das einzige Heim zu nehmen.
Diese Vorkommnisse bewiesen, daß durch den Kriegszustand die letzten Rücksichten gefallen waren, die die nationalsozialistischen Machthaber bisher, wohl wegen des großen Ansehens, daß der Kronprinz weit über die deutschen Grenzen hinaus genoß, gehemmt hatten, Hand an ihn und seine Familie zu legen. Unter solchen Umständen, jeder Willkür von Verbrechern ausgeliefert, in Bayern weiter zu leben, konnte für niemand unerträglicher und unwürdiger sein, als für die Wittelsbacher , deren Haus 800 Jahre mit dem Lande und dessen Geschichte so eng verbunden war.
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Hofphotograph Franz


