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Wittelsbacher im KZ / herausgegeben von Freiherr Erwein von Aretin
Entstehung
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streit, den freilich die Arbeitslosigkeit unmöglich machte, marschierten die deutschen Arbeiter und nicht nur sie geschlossen zum Tem­pelhofer Feld in Berlin und zur Theresienwiese in München , um am 1. Mai 1933 dem Nationalsozialismus ihre, wenn auch erzwungene, Verbeugung zu machen.

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Die wachsende Bedrohlichkeit der Lage- denn für jeden, der etwas hinter die lärmende Fassade des Nationalsozialismus schaute, be= deutete ein Sieg Hitlers eine furchtbare Bedrohung für ganz Deutsch­ land drängte in zunehmendem Maße dazu, die in der monar chistischen Bewegung zusammengefaßten Voltsteile endlich zur Aktion zu bringen. Diese Aktion konnte nur auf dem Boden der Verfassung möglich sein, da es dem Wesen legitimen Königtums widerspricht, seinen Anhängern eine Verlegung ihrer beschworenen Pflichten gegen­über dem nun einmal bestehenden Staat zuzumuten. Von den Par­teien und damit vom Landtag war nichts zu erhoffen. Man konnte faum einem Abgeordneten der Mitte und der Rechten begegnen, der einem nicht emphatisch versicherte, er sei Monarchist bis in die Kno­chen, aber mit solcher Versicherung war es auch getan. Sprach man von einer Verwirklichung der monarchischen Pläne, so hörte man, es sei zu früh oder es sei zu spät und sprach man von dem Abgrund, in den Bayern zu stürzen im Begriff war, so stieß man bestenfalls auf ein Achselzucken. So stand nur der Weg über ein Volksbegehren und einen Volksentscheid offen, für den fein Parlament der Erde sich besonders leicht begeistern läßt, zumal man sich hinter jenen Artikel der Weimarer Verfassung verschanzen konnte, der für die deutschen Länder die republikanische Staatsform zur Pflicht machte.

Es muß anerkannt werden, daß die verantwortlichen Männer der Staatsregierung durchaus klar sahen und die Hitler 'sche Gefahr nicht nur vom engen Standpunkt ihrer Parteiinteressen, sondern von dem höheren Standpunkt des Staatsinteresses durchaus erkannten.

Es war am späten Abend des 2. Mai 1932, als der damalige geschäftsführende Ministerpräsident Bayerns , Dr. Held, und einer der führenden Männer des Bayrischen Heimat- und Königsbundes, Freiherr von Aretin, sich auf Veranlassung Dr. Helds in dem Palais an der Königinstraße trafen, um die einzige wirkungsvolle Gegen­attion gegen den siegreich voranschreitenden Nationalsozialismus, die Wiedereinführung der Monarchie, zu besprechen. Wie weit das Spitzel­system der Nazis bereits damals ausgebildet war, beweist die Tat­sache, daß schon am Tage nach dieser vertraulichen Besprechung Aretin eine hakenkreuzgeschmückte Postkarte ins Haus flog, auf wel­cher er nach dem Inhalt seiner nächtlichen Gespräche mit dem Mini­sterpräsidenten gefragt wurde. Die Wachsamkeit der Nazis war aber auch sehr wohl verständlich, wenn man weiß, was erst heute voll

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sphotograph Franz