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Schutzhäftling 409 / Arnold Schulz
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Eintausendneunhunderteinundzwanzig Tage und Nächte

Eine stille und klare Oktobernacht ist angebrochen, sinnend liege ich auf meinem Lager und kann seit Stunden schon nicht mehr schlafen. Eintausendneunhunderteinundzwanzig Tage und Nächte befinde ich mich schon hinter Kerkermauern des Dritten Reiches und immer noch nimmt das Eingesperrtsein kein Ende. Seit dem 13. Mai ist über das Konzentrationslager Sachsen­hausen die Entlassungssperre verhängt worden. Warum und wes­halb wissen wir nicht. Die tollsten Gerüchte werden im Lager verbreitet. In Deutschland rasseln die Hitlerfaschisten mit den Säbeln und treffen die letzten Vorbereitungen für die so große, schicksalsschwere Katastrophe des deutschen Volkes.

Unser Kamerad Fritz aus Halle, der neben mir schläft, ist ebenfalls wach geworden. Flüsternd unterhalten wir uns über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Als ich meinen Freund Fritz von einem Traum erzähle, den ich kürzlich hatte, wird er ganz begeistert. Fritz hatte eine begabte Phantasie, und er legt meinem Traum dahingehend aus, daß ich in Kürze entlassen werde. Ich mache mich lustig über seinen Aberglauben, aber bald müssen wir unsere Gespräche wieder beenden. Die Lagerwache kommt unserer Baracke immer näher, und wir müssen sehr wachsam sein, auch nachts ist jedes Gespräch untereinander ver­boten.

Um 4.30 Uhr ertönt die Lagerglocke zum Aufstehen. Wir schreiben den 3. Oktober 1938. Ueber die Baumgipfel des Lagers flutet das Morgenrot eines neuen Tages. Fünfundzwanzigtausend Gefangene sind zum Morgenappell im Konzentrationslager Sach­senhausen angetreten. Der Lagerkommandant hat die Meldung von Zehntausenden von Arbeitssklaven entgegengenommen, und nun erfolgt der Aufruf von Nummern einzelner Häftlinge. Da ertönt auch der Ruf nach der Nummer 409.

Ich bewege mich im Laufschritt nach vorn und melde mich zur Stelle. Sechs meiner Leidensgenossen waren schon vor mir auf­gerufen, ich war der siebente in ihrem Bunde. Und dann teilt uns der Lagerführer mit, daß wir entlassen seien. Zuerst trauten wir unseren eigenen Ohren nicht. Und doch war es Wahrheit. Nach drei Stunden durchschritten wir das Tor des Konzentrations­lagers Sachsenhausen. Zehntausende von Kameraden mußten wir zurücklassen, und wir gingen einer Zukunft entgegen, die grau und düster vor uns lag.

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