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Gebändigte Dämonen : von der Überwindung der Gewalt / Gerhart Binder
Entstehung
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würdigen Bündnis vereint, begannen, eine neue Macht- herrschaft aufzubauen. Die alte Sehnsucht nach dem ‚Reich verband sich mit den Herrschaftswünschen der Kohlen- könige, Industriekapitäne und ehrgeizigen Generale. Hitler wurde der Name, in dem sich alles zusammenfand. So war es wirklich ein Siegesruf, als Goebbels am 30. Januar 1933 schrieb:Wir haben die Macht! Wieder war allein die Macht der Grund, auf welchem ein neues Staatsgebäude aufgerichtet werden sollte. Macht aber, wenn sie absolut gesetzt wird, verliert jeden Anspruch auf Gültigkeit und wird zur reinen Willkür. Emporkömmlinge und Gestran- dete hatten an jenem 30. Januar 1933 die Macht ergriffen, um sie allein noch zum Werkzeug ihrer Gier zu miß- brauchen. Da war kein Platz mehr für echte Freiheit und kein Boden für gewachsene Kultur; der politische Strauch- dieb bestimmte den Staat, und der Nichtsnutz beherrschte das Feld der Kultur. Was so begonnen hatte, endete folge- richtig im Zusammenbruch des 8. Mai 1945. Auf eine flüch- tige Zeit der Machtentfaltung folgte der Sturz in die Ohn- macht. Den Bataillonen Hitlers sind die Kolonnen der Flüchtlinge gefolgt; aus den kommandierten Menschen- massen der Aufmärsche sind die Menschenballungen der

Gefangenenlager geworden, aus den Heilrufen wurde der Fluch der getäuschten Millionen.

Welches war das Wesen jener Macht, in deren Zeichen solches Unheil heranreifte? Ist Macht an sich böse und ver- hängnisvoll? Daß wir Deutschen endlich wieder die Frage nach dem Sinn und dem Auftrag der Macht ernst nehmen

sollen, deshalb mußten wir die letzten zwölf Jahre durch- leben und dazu ist uns der Schrecken der Konzentrations-

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