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Im westlichen Allgäu führt eine Zweigstraße abseits vom Verkehr durch das Wiesen- und Bergland und verbindet die Einödhöfe und entlegenen Dörfer. Auf dieser Straße gab es selten etwas Besonderes zu sehen; sie hatte ihre regelmäßigen Gäste. Vollends während des vergangenen Krieges lag die Straße still. Bis an einem frühen Märzmorgen im Jahre 1945 etwas geschah, das die Menschen ringsum tief erschreckte. Es machte sie, noch ehe dem System die letzte Gewalt entglitten war, zu Zeugen eines Grauens, an dessen Möglichkeit sie vorher hatten kaum glauben wollen.
Die Bauern tranken eben ihren Morgenkaffee; an einzelnen Häusern waren die Fenster noch dunkel. Da tappten, eingehüllt in eine Staubwolke, die das Dorf hindurch nicht wich, einander stützend, stumm, in zerlumpten Kleidern, Menschengestalten vorüber. Hunde umkreisten sie. SS- Leute hielten die Spitze und bildeten den Schluß; sie gingen mit schußbereiten Waffen. Die Bauern lösten sich aus ihrer Erstarrung; ihre Frauen eilten in die Küche, schnitten Brot ab, griffen Kaffekannen und Tassen. Sie beachteten die Drohung der Henkersknechte nicht und reichten den armen Menschen eine Stärkung. Die Erschöpften tranken hastig. Sie rissen den Frauen das Brot aus der Hand und wurden, kaum daß sie genommen hatten, erbarmungslos weitergetrieben. Die Wachhunde umstreiften
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