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Aus dämmernden Nächten : Gedichte / Roman Gebler
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Fünftes Lied

Ein leiser Hauch, man merkt ihn kaum, Bewegt die Wipfel alter Bäume. Und in dem stillen Waldesraum Erwachten meiner Sehnsucht Träume

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Und wie aus fernen Jugendtagen Sah ich im Geiste sie dort geh'n- Gebilde, die mir längst zerschlagen, Dor meinen Augen neu ersteh'n.

Du guter Alter! Deine Worte, An die ich lebhaft oft noch denke, Geh'n stets mit mir von Ort zu Orte, Wohin ich meine Schritte lenke.

Doll Andacht hab' ich oft gelauscht. Deines mundes kluges Sagen hat mich begeistert, mich berauscht- Und ich erkannt' dein stilles klagen

Es klang ein leises klingen, Tönen Durch alle deine frohen Lieder. Und wie ein ungeftilltes Sehnen Durchhallt es diese Stille wieder.

Doch heute erft kann ich ermessen Die Worte dein, den reichen Sinn. Und nimmermehr werd' ich vergessen,

Daß ich in meiner Heimat bin.

Gedenkst du noch der Dämmerstunden,

Als du das erste mal erzählt:

Wie du in not dich selbst gefunden,

Da dir das Heimatglück gefehlt.

Sehr leicht hat's gut und fromm zu sein, Der keine Sorg' und Leiden kennt, Daheim den gut gefüllten Schrein Und Eltern noch sein eigen nennt.

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