In der Fasanenstraße brannte die riesige Synagoge. Von der Kantstraße her sah es aus, als feiere man ein Fest darin. Alle Fenster waren hell erleuchtet, aber dann verdunkelte sich das festliche Licht zu einem düsteren Rot, als die ersten Rauchballen aus dem Dach herausplatzten. Eine murmelnde Menschenmenge stand in der Straße. Viele schwiegen, aber viele billigten das Feuer. Die rot erleuchteten Haßgesichter der Volksgenossen starrten befriedigt in den düster schwelenden Bau der Synagoge.
Als ich weiterging, sah ich die modernen Löschwagen der Feuerwehr tatenlos stehn. Die Feuerwehrleute standen schwatzend zusammen, zündeten Zigaretten an und lachten. Im Vorgarten eines Nachbarhauses saßen einige und spielten Skat. Die den Brand zu bekämpfen beauftragt waren, spielten Skat neben dem Brand.
Stolz und trotzig standen die arischen Mietshäuser neben der Synagoge, aber einige Jahre später verwandelten sie sich in genau solche Ruinen. Da spielten die Feuerwehrmänner nicht mehr Skat. Sie mögen tot sein heute, ihre Trumpfhand gelähmt, ihr Lachen verweht, die Karten zertreten. Und die Ruinen sind alle gleich.
Wir hatten während des Luftalarms in den Rüben weitergearbeitet, acht Zuchthäusler und ein Wachtmeister, als die dröhnenden Bombengeschwader unaufhörlich über uns nach Berlin flogen. Wir hörten zuweilen am Himmel MG- Feuer knattern. Und dann brüllte der Wachtmeister: ,, Hinlegen!" Wir warfen uns hin, und schon rasten drei
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