tun? Vater ist in der Fabrik. Sie müssen doch fühlen, daß ich sie rufe!
Die Gedanken kommen und gehen; Fiebergedanken, die sich wiederholen, verwirren. Bilder vergangener glücklicher Tage gaukelt das Fieber vor, die wieder durch die Angst- und Schreckensszenen der letzten Tage verdrängt werden.
Diese Zelle, dieses Frauengefängnis liegt im Herzen Berlins . Die Millionenstadt lebt ihr rastloses Leben. In den Straßen eilende Passanten; in den Fabriken und Büros emsige Geschäftigkeit. In der Börse Menschen auf der Jagd nach Geld. Menschen auf den sonnigen Terrassen der Cafés. Menschen, die sich bei Spiel und Sport erfreuen. Menschen, die flirten, müßig gehen, ihre Kleider zur Schau tragen, sich wichtig tun.
Für viele sind die Stunden des Tages zu kurz. Sie sind endlos lang und grauenvoll in einer engen Zelle.
Draußen wird es Abend, dann Nacht.
Die Millionenstadt schläft; den schweren, tiefen Schlaf arbeitsmüder Menschen.
Die Millionenstadt bleibt wach; sie beginnt ein anderes Leben, sie wirft ihre Lichter tausendfach in die Nacht.
Menschen füllen Restaurants, Theater, Kinos. In Tanzsälen und Nachtlokalen steigert der Rhythmus der Jazzkapellen ihre Sehnsüchte und Wünsche.
Verspätete Zecher schwanken durch die Straßen. Gut gekleidete Menschen fahren in Autos durch die laue Sommernacht. Liebende umfangen sich in heißen Umarmungen.
Inmitten dieser Stadt sind Kerkerzellen, ist eine enge Zelle, und die Tage und Nächte sind eine rötlich glimmende Glühbirne. Die Gefangenen in den Zellen schlafen nicht. Ihre müden, brennenden Augen sind angstvoll auf die Tür gerichtet, jeder Nerv ist
148
a
V


