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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
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XXI

Evas Augen drücken und schmerzen, sind entzündet vom vie­len Weinen; sind wie ausgetrocknet, haben keine Tränen mehr. Das trübe rötliche Licht der Glühbirne umgibt alle Dinge mit einem rötlichen Dunstschleier; dieses Licht, das nie erlischt, Tag und Nacht in der Zelle brennt. Wann ist es Tag? Wann Nacht? Diese Zelle bleibt enge Wirklichkeit, soviel man sich auch in ihr umsieht. Diese Zelle, die jetzt totenstill ist und doch lebt, weil man in den Nachbarzellen Menschen spürt, die auch keine Ruhe finden... Der ganze Körper ist vor Erschöpfung wie aufgedun­sen, scheint sich ins Riesenhafte zu dehnen, jedes Glied fühlt sich an wie ein unförmiger Klumpen; wenn man es regt, ist es schwer wie Blei, fast unbeweglich, wie abgestorben... Und nicht zu ver­decken ist dieses rötliche Licht, es bleibt hinter den Augenlidern, auch wenn man die Augen schließt, auch wenn man die Hand­ballen gegen die Augenhöhlen preẞt... Und kein erlösender Schlaf will kommen, kein Versinken ins Vergessen, das halb­betäubte Hindämmern bleibt, ist nicht abzuschütteln, nicht aus­zulöschen...

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Sie werden bald wiederkommen, haben sie gesagt. Und sie wer­den damit nicht aufhören, bis sie die Aussagen hätten, die sie brauchten... Aussagen? Was soll ich denn nur noch sagen? Und Reichel? Kramer? ,, Ich bin unschuldig!" hat Reichel ge­schrien. Auch Kramer verteidigte sich verzweifelt, dann wurde er ganz still... Wissen die beiden denn auch nichts?... Sie wollen

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