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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
Seite
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sinnlos, nach Berlin zu fahren, er könne an der Sache nichts ändern, würde überhaupt nicht vorgelassen werden... Betteln hab ich sie müssen, bis sie mir die Berliner Adresse gegeben haben. Richtiggehend verhört hat mich der Polizeioffizier... Sie müssen mir doch wenigstens von Berlin auf meinen Brief antworten, mir schreiben, was mit meiner Tochter ist! Politisch betätigt! Meine Tochter! Ist alles Lüge. Und niemand glaubt mir, nirgends kann man Hilfe finden. Wir hätten sie nie von hier fortgehen lassen dürfen... Entlassen hat man mich, nach dreiundzwanzig Jahren Dienst. Wie ein Verbrecher werde ich behandelt. Und man kann sich nicht einmal wehren...

Wegner grub seinen Kopf in die Kissen, drehte sich dann vorsichtig um, griff nach dem Wecker auf dem Nachttisch. Fünf Uhr vorbei. Mehr als drei Stunden hatte er wach gelegen.

Er stand auf, bemühte sich, leise zu sein.

دو

Was willst du nun tun...?" Verhaltenes Weinen war in der Stimme seiner Frau.

Wegner schrak zusammen. Auch sie war wach! Er gab keine Antwort, sah auf das Federbett. Ein langer, sauber zusammen­genähter Riß war darin. Bei der Haussuchung hatten sie es auf­gerissen. Er ging in die Küche.

In der Küche blieb er stehen, sah sich um. Seine Sachen lagen am gewohnten Platz, wie er sie sich für jeden Morgen, der ihn zur Arbeit führte, zurechtlegte. Das mußte so bleiben. Daß dies alles endgültig vorbei, nicht mehr nötig war, durfte seine Frau nicht wissen; jetzt nicht, sonst brach sie unter all dem Schweren zu­sammen. Er fühlte es... Und er? Er konnte sich über die Leere dieser Morgenstunden nur retten, indem er zum Werk ging wie immer; wie gestern, wie vorgestern.

Er nahm die Aktentasche vom Haken an der Tür, griff hinein:

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