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Um-| En| Der dritte Morgen! Das verschwommen graue Rechteck des
Fensters zeichnete sich stärker, wurde immer heller, die Gegen-
stände im Zimmer bekamen Umrisse, traten klar hervor. = Die Stadt erwachte. Wegner hörte das metallene Klappen des. Deckels am Briefschlitz der Haustür, den dumpfen Ton der fallenden Zeitung, die sich eilig entfernenden Schritte der Zei- tungsfrau. Etwas später fuhr ein Wagen rasselnd durch die Straße, der Hufschlag des Pferdes mischte sich mit dem Klappern der großen Kannen, und Wegner wußte: der Milchwagen. Jetzt kam ein anderer Wagen, und er wußte: Meising, der Gemüse- händler. Er fährt zur Markthalle. Eine Tür fiel ins Schloß, | Schritte waren auf der Straße, und Wegner wußte: Vogler, und | jetzt Kroll— gehen zur Arbeit. Das Leben ging weiter. Auch
ohne ihn. Er zählte nicht mehr. Die stille Straße der Siedlung
ließ ihn alles miterleben. Zu genau kannte er jeden einzelnen.
in der Straße. Alles ging seinen gewohnten Gang, wie an jedem
Morgen, wie jahrelang. Und dies war der dritte Morgen, seit
dem Tag, an dem er aus dem Werk entlassen wurde.
Wegner versuchte, die ineinandergeschlungenen Rosen auf dem
Blumenmuster der Tapete zu zählen, sah wieder ins Leere.—
Eva ist verhaftet! Im Frauengefängnis ist sie. Wie sie mich hier
auf dem Polizeipräsidium angefahren haben! Sie seien keine
Auskunftsstelle. Er könne froh sein, daß er nicht ebenfalls gleich
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