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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
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jetzt bestimmt kein Kurier mehr an, inzwischen hat die Leitung acken der Illegalen alle gewarnt.

ana Inspektor Diebold blieb am Fenster stehen, warf den Zigaret- tenstummel hinaus. Wie lau die Luft ist! Ein herrlicher Sommer- am abend. Und ich stecke in diesem Steinkasten. Eine Affenschande! Jemn Von der Straße kam das Brausen des Verkehrs dumpf herauf, Straßenbahngeklingel, Autohupen. Ganz nahe, über dem Häu- serblock drüben, standen plötzlich dieLichtkegel von zwei Schein- nn werfern, tasteten den Abendhimmel ab, zwei riesige weiße Licht- finger. Die können im Hof des Göringschen Ministerpräsidenten- T' palais stehen, das ist ja nicht weit von hier... | Diebold fiel ein, daß Kommissar Eder gesagt hatte, der Bäcker- m j meister Möller sei am schwersten zu beurteilen. Es könnte sein, hen| daß die Wegner ihn reingelegt, ihre Stellung und sein Geschäft j als Kulisse benutzt hat ohne sein Wissen... Der Mann redet j auch nur von seinem Geschäft, jammert, daß er ruiniert sei. | Klingt beinahe echt, der benimmt sich tatsächlich wie ein auf- gescheuchter Kleinbürger. Sollte der wirklich nicht wissen, welche Rolle diese Wegner gespielt hat? Er spricht ja jetzt noch in den- höchsten Tönen von ihr. Oder will er auch nur ablenken, sich+ und die Wegner schützen? Dazu sieht der aber eigentlich nicht durchtrieben genug aus... Wäre nicht das erstemal, daß die Illegalen so manövrieren, meinte Eder. Er hat schon recht. Die Sache mit dem harmlosen, völlig legal gegründeten Zeitschriften- verlag damals, in der teuersten Gegend Berlins , am Kurfürsten- damm, war noch geschickter aufgezogen! Modezeitschriften gab der Verlag heraus. Modezeitschriften! Als wir zugriffen, war der Chef des Unternehmens verschwunden, und es stellte sich heraus, daß die drei Angestellten des Büros in der Tat keine er Ahnung hatten, wer ihr Chef in Wirklichkeit war und was

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