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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
Seite
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XVI

Wieder kamen schwere Schritte den Gang entlang, zum vierten Male. Eva stand an der Zellentür und lauschte. Sie schrak zusam­men. Diesmal machten die Schritte vor ihrer Zelle halt, ein Schlüssel wurde ins Türschloß gesteckt.

In der Zellentür stand eine Gefängniswärterin: ,, Kommen Sie mit!" Schweigend ging die Wärterin neben ihr her. In dem langen Gang hingen die Glühlampen in großen Abständen, gaben nur ein trübes, rötliches Licht; aber jede Zelle seitwärts war erhellt. Immer nur dieses müde Licht, Tag und Nacht, nie erlöschend.

Sie stiegen eine breite Treppe hoch. Benommen tappte Eva neben der Wärterin her. Die sprach auch jetzt kein Wort, diri­gierte den Weg mit kurzen Zeichen ihrer Hand. Durch die Treppenfenster kam helles Sonnenlicht, stach schmerzhaft in die Augen. Es konnte Mittag sein, aber welcher Wochentag? Viel Zeit muẞte seit ihrer Einlieferung ins Frauengefängnis vergangen sein. Endlos lange Tage und Nächte. Wie viele...?

Zwei Tage und zwei Nächte waren seit Evas Verhaftung ver­

gangen.

Sie kamen jetzt in einen breiten Gang, gingen durch eine Tür - ins Freie. Sie standen im Gefängnishof. Ein geschlossenes Auto wartete dort.

Die Autofahrt konnte nur wenige Minuten gedauert haben,

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