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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
Seite
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hatte Wegner in seiner Eile vorhin nicht gesehen. Als Inspektor Diebold jetzt mit Wegner einstieg und der Wagen abfuhr, sahen viele Augen zu; eine Gruppe Arbeiter, die sich auf der Werk­straße an einem Lastauto mit Anhänger beschäftigten, andere, die mit einem kleinen eisernen Karren Material transportierten. Ihre Ladung hatte sich scheinbar verschoben, sie hielten den Karren an, hantierten daran, während sie das Gestapo - Auto beobachteten.

Mit schrägen Seitenblicken, ohne sich zu bewegen, musterte Diebold Wegner. Meister Wegner saß blaß und zusammen­gesunken neben ihm, sein Kopf lag wie kraftlos auf dem Rücken­polster des Autos, pendelte in den Kurven hin und her. Er hielt die Augen geschlossen, als hätte er sich in alles ergeben; seine Finger gingen rastlos an den Knöpfen der Jacke auf und ab. Inspektor Diebold räusperte sich ärgerlich. Er hatte Wegner erst bluffen und dann einschüchtern wollen, doch er konnte sich nicht helfen, er wurde das Gefühl nicht los, daß dessen Ahnungslosig­keit und Verzweiflung echt waren.

Später verstärkte sich dieser Eindruck. In dem kleinen Haus der Wegners war nichts Belastendes zu finden, obwohl Diebolds Kollegen dort inzwischen mit ihrem Trupp gründliche Arbeit geleistet hatten. Auf alle Fragen reagierte Wegner wie zuvor: mit hilflos gestammelten Beteuerungen.

Der Garten hinter dem Haus war von zwei Beamten durch­sucht, an mehreren Stellen umgegraben worden. Blumenbeete waren zertreten, Sträucher ausgehoben worden. Wegner kniete. nieder, griff mit fliegenden Händen nach den Blumen und wühlte in der Erde: ,, Meine Blumen... meine Blumen..." Der jammert um seine Blumen, während die Verhaftung, die Einlieferung in ein Konzentrationslager droht, dachte Diebold. Solche Verzweif­

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