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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
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wolle, als hätte der Direktor in einer fremden Sprache ge­sprochen.

Dann sagte er gedehnt: ,, Jawohl, Herr Direktor, jawohl..." Inspektor Diebold hatte Wegner gespannt beobachtet. Die Überraschung des Mannes mußte er nützen. Er ging auf Wegner zu: ,, Wie lange ist Ihre Tochter Eva schon in Berlin ?"

,, Meine Tochter...?"

Wegner zögerte. Über Eva wollten sie etwas wissen? War ihr etwas zugestoßen...?! Er besann sich auf die Frage, überlegte. ,, Es muß fast ein Jahr her sein... Zehn Monate werden es sein." ,, Ist Ihre Tochter mit Ihrem Einverständnis nach Berlin ge­gangen?"

,, Ja, natürlich."

,, So, so. Warum ausgerechnet nach Berlin ? Ein so junges Mäd­chen in dieser großen Stadt? Sie haben doch keine Verwandten dort, die sich um Ihre Tochter kümmern könnten!" Inspektor Diebold fixierte Wegner scharf.

Meister Wegner sah dem Inspektor ruhig in die Augen und antwortete: ,, Das stimmt, deshalb wollten wir auch zuerst nichts davon wissen. Meine Tochter gab aber nicht nach. Es war ihr Herzenswunsch, in Berlin eine Stellung zu haben. Sie wollte un­bedingt Berlin kennenlernen. Schließlich haben wir uns gesagt: Sie ist ein ordentliches, gescheites Mädchen, und sie kann nur selbständiger werden, wenn sie mal eine Zeitlang auf eigenen Füßen stehen muß. Zwar würde es eine harte Schule sein, aber eine gute Schule für ihr späteres Leben, haben wir uns gesagt." Wegner redete sich so in Eifer, daß er einen Augenblick lang ver­gaß, wer mit ihm sprach.

Inspektor Diebolds Worte rissen ihn in die Wirklichkeit zurück: ,, Ihre Tochter war doch hier in Glauchau politisch organisiert,

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