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Kommissar Schneider begann zwei Schränke auszuräumen, warf Bücher und Kleider nach kurzer Prüfung auf den Fußboden. Puschke nahm Bilder von den Wänden, betastete sie, klopfte dann die Wände ab. Baumann fühlte in die Polsterung einiger Stühle hinein, durchsuchte einen Schreibtisch. Er fand nur Zeich- nungen, Grundrisse von Gebäuden und Baustellen, mit denen er nichts anzufangen wußte. Bei alledem ließ er den Architekten und seine Frau nicht aus den Augen, wie sein Befehl lautete.
Ein heller Teppich bedeckte den Fußboden des Ateliers, auch die Wände waren mit hellem Tuch bespannt. Der freundliche Raum sah nach wenigen Minuten wie zertrampelt aus.
Baumann beobachtete das Ehepaar. Die Frau hatte einen Arm um die Schultern ihres Mannes gelegt. Beide sahen stumm und scheinbar eingeschüchtert der Verwüstung zu.
Der Mann sieht intelligent aus, dachte Baumann. Die ist glück- lich mit dem. Mit diesem Hetzer! Wut stieg in Baumann hoch. So ein Kerl hat alles, ein gemütliches Heim, eine schöne Frau...
Kommissar Schneider war mit Puschke in ein Nebenzimmer, dann in die Küche gegangen. Sie kamen mit leeren Händen zurück. Einen Augenblick stand Kommissar Schneider zögernd, dann ging er auf den kleinen Balkon des Atelierzimmers. Bau- mann hörte, wie er an der Dachrinne rumorte.
Gleich darauf kam Kommissar Schneider ins Zimmer gestürzt. Er hielt eine dicke Papierrolle in der Hand und fuchtelte damit dem Architekten vor dem Gesicht herum:„Hier! Widerstands- zeitungen! In der Dachrinne! Was sagen Sie nun?“
Der Architekt stand langsam auf, sein Gesicht blieb unbewegt.
Er sagte:„Ich weiß nicht, was Sie meinen. Diese Papiere kenne ich nicht. Die Dachrinne gehört nicht zu meiner Wohnung. Ich
weiß auch nicht, wie die Papiere dahin gekommen sind.“
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