Er wählte ein Haustor, das im Schatten lag, so konnte er die Straße links und rechts übersehen und stand doch im Dunkeln.
Vereinzelte Passanten gingen vorbei, sahen ihn scheu an. Eine Zeitlang redete Baumann sich ein, daß er hier ja auch dienstlich sein könne. Vielleicht ereignete sich etwas Besonderes, dann war er gleich zur Stelle. Doch der Gedanke kam immer wieder: Du hast deinen Bezirk verlassen, bist im Nachbarrevier!
Er sah nach der Uhr. Mitternacht war vorbei. Im Treppenflur hinter ihm wurde Licht angeschaltet. Ein Mann kam mit einem Bierkrug in der Hand aus dem Haus. Er sah Baumann erstaunt von der Seite an, grüßte, blieb einen Augenblick auf dem Bürger- steig stehen und ging dann in das Restaurant nebenan. Baumann sah wieder nach der Uhr. Zwölf Uhr dreißig Minuten.— Ich muß gehen! Eva ist bestimmt längst im Bett, und ich warte hier auf eine Gelegenheit, sie zu sehen. Verrückte Idee!
In Gedanken versunken hatte Baumann nicht bemerkt, daß ein Auto in die Straße eingebogen war. Jetzt bremste es und hielt genau gegenüber vor der Hausnummer achtundvierzig. Zwei Personen saßen in dem erleuchteten Wagen. Plötzlich wurde es Baumann siedendheiß. Die beiden waren ausgestiegen, ein großer Mann und eine Frau. Im Schein der Laterne sah er sie deutlich. Die Frau!? Das geblümte Kleid, die helle Kappe. Baumann stand vornübergeneigt: Eva! Jetzt legte der Mann den Arm um sie. Eva schüttelte den Kopf, sagte etwas und lachte hell auf. Kein Zweifel, das war ihre Stimme— ihr Lachen — das war Eva!
Baumann lehnte sich an die Hauswand. Er atmete schwer.
Die beiden drüben gingen zur Haustür. Baumann sah, wie der Mann sich erneut an Eva drängte; wieder sagte sie etwas, dann beugte der Mann sich über ihre Hand. Gleich darauf klappte die Haustür. Der Mann ging zum Auto und ließ den Motor an-
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