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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
Seite
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kannte hier jedes Haus so genau, als gehöre es ihm. Er konnte sich nicht auf seinen Dienst konzentrieren. Was ist Dienst, wenn meine Empfindungen und Gedanken ganz woanders sind, dachte er. Diese vorübergehenden Pärchen! Die lächeln sich an, die sind glücklich und wie steht's mit uns? Baumann wischte sich die Stirn. Ihm war heiß.

Dreimal hatte er nun versucht, mit Eva zu sprechen und sich mit ihr zu verabreden. Immer war Kundschaft im Laden oder Eva war beschäftigt. Gestern hatte sie ihm nur knapp geantwor­tet, sie hätte keine Zeit. Heute hatte er Möller gefragt. ,, Sonn­abends ist Fräulein Wegner immer frei, ist sie nie abends im Ge­schäft", hatte Möller gesagt. Hier ist meine Streife zu Ende, fiel ihm plötzlich ein, und Eva wohnt nur zehn Minuten entfernt! Im Nachbarrevier. Ob ich vor ihrem Haus auf und ab gehe? Viel­leicht treffe ich sie zufällig! Baumann blieb stehen, zog nervös an seinem Koppel. Ich habe aber in meinem Bezirk zu bleiben! Wie leicht kann ich einen Kameraden vom Nachbarrevier treffen oder gar den Außenmeister! Während er noch überlegte, ging er schon automatisch weiter. Mir wird dann schon eine Ausrede einfallen, beruhigte er sich.

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vierundvierzig

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In Evas Straße begann Baumann zu hasten. Seine Augen such­ten die Häusernummern: Zweiundvierzig achtundvierzig. Hier! Er drückte die Haustürklinke herunter. Verschlossen. Selbstverständlich verschlossen! Was soll das Ganze überhaupt? Ich könnte jetzt doch nicht hinaufgehen und nach ihr fragen! Er sah sich prüfend um. Die Straße war leer. Aus einem Restaurant gegenüber klang gedämpft Musik. Baumann machte einige Schritte, blieb wieder stehen. Ich werde mich auf der ande­ren Seite in einen Hausflur stellen, dort falle ich weniger auf, überlegte er und ging über den Fahrdamm.

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