2015
er erzählen! Daß sein Beruf schwer und manchmal nicht ungefährlich ist. Eine gute Idee, das imponiert den Mädchen immer!
Es fehlten noch zehn Minuten an der verabredeten Zeit. Baumann ging an der Straßenecke auf und ab. Er zupfte an seiner Krawatte, zog an seinem Jackett herum. Eine merkwürdige Unruhe war in ihm.
,, Ist doch nicht die erste, Baumann", redete er mit sich selbst. ,, Diesmal bist du bis über beide Ohren verliebt, das ist es. Sieht ganz so aus, als ob es die letzte wird, mein Junge. dich nachher bloß nicht wie ein Gymnasiast!"
-
Benimm
-
Im Auf- und Abgehen musterte Baumann die Passanten, besah sich Schaufensterauslagen. Er war hier im Nachbarrevier. Ein neues Gefühl, hier so ohne Uniform, unauffällig beobachtend umherzuspazieren, dachte er. Und immer zu wissen, daß man jemand ist, der mithilft, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Im großen Berlin ! Mechanisch griff er an seine Hosentasche. Die Pistole war da. Er ging nie ohne Waffe aus dem Haus. Das Mädel! besann sich Baumann. Sie muß jeden Augenblick kommen, wohnt doch nur zwei Querstraßen entfernt. Möbliert wohne sie dort, hatte sie ihm erzählt. Ihre Eltern lebten ja auch in dieser kleinen sächsischen Stadt. ,, Fräulein Wegner hat in Berlin keine Verwandten, ist hier ganz allein", hatte der Bäcker Möller gesagt. Sie wollte sicher nicht ins Gerede kommen, deshalb hat sie mich gebeten, nicht vor ihrem Haus zu warten.- Da kam das Mädchen! Baumann ging ihr entgegen, zog höflich den Hut. ,, Guten Abend, Fräulein Wegner", sagte er. Und lauter: ,, Sie kommen also doch, das ist lieb von Ihnen."
,, Guten Abend", sagte Eva. Sie gab Baumann die Hand, der sie fest drückte.- ,, Ich hatte es Ihnen doch versprochen. Habe ich mich denn verspätet?"
18


