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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
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der Schreibmaschine. Große gelbe Büroschränke standen an den Wänden.

Das Zimmer 364, die Fahndungsabteilung 3b der Berliner Gestapo , hatte schon viele verhaftete ,, Staatsfeinde" gesehen. Inspektor Diebold legte seine Zigarette aus der Hand, als Schneider eintrat.

,, Heil Hitler !" grüßte Schneider.

Diebold bot Schneider einen Stuhl an, seine einladende Hand­bewegung hatte etwas Herablassendes.

Schneider empfand das deutlich. Diebold war wegen seines goldenen Parteiabzeichens auf diesen hohen Posten gekommen. Er war erst dreißig Jahre alt, schlank und sehnig, glattrasiert; sein dunkles Haar lag glatt zurückgekämmt, sein breites stumpfes Kinn gab seinem Gesicht einen Zug von Rücksichtslosigkeit. Er ging besonders gut gekleidet. Niemand sah ihm den Gestapo­Inspektor an. Die Gestapo - Beamten trugen alle Zivil. Die beiden anderen anwesenden Kommissare, Eder und Meyer, waren un­gefähr gleichaltrig, doch als leitender Inspektor war Diebold in der Fahndungsabteilung 3b tonangebend. Alle drei aber waren in diesem Hause als junge, energische Beamte geschätzt, die gehörig durchgriffen.

,, Ich wollte wissen, was die Beobachtung gestern ergeben hat, Schneider", begann Diebold.

Er spielte mit einem Brieföffner, sah den vor ihm sitzenden korpulenten Mann schräg an. Dem Alter nach könnte der mein Vater sein, dachte er. Bei ihm werde ich das Gefühl nie los, daß er ein ,, Märzgefallener" ist. Schneider war erst nach der Reichs­tagswahl im März 1933 in die NSDAP eingetreten und dann aus dem Kriminalbeamtendienst des, Systems" in die Gestapo übernommen worden.

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