Büro sollte auch die Strafmeldungen an die SS - Befehlsstelle weiterleiten, was natürlich oft unterblieb; es sandte täglich einen langen Bericht über die Arbeitslage nach Berlin , stellte die Rechnungen für die Arbeitslöhne an die Privatfirmen aus, und dergleichen mehr.
Die Angestellten dieses Büros besaßen wichtige Sonderrechte. Sie hatten über das Verteilen der guten und schlechten Kommandos, auch über das Verbleiben der Häftlinge in Dachau oder deren Abtransport in andere Lager oft ein entscheidendes Wort mitzusprechen. Sämtliche Capos des Lagers umschmeichelten die führenden Männer des Einsatzbüros, um sich ja in ihren Stellungen halten zu können. Ich war jetzt also auch Angestellter daselbst. Wir trugen sauberere Kleider, konnten uns täglich rasieren lassen, nahmen alle Mahlzeiten im Büro selbst ein und verbrachten hier unsere freie Zeit, auch abends nach dem Appell, oftmals bis Mitternacht, sowie sonntags den ganzen Tag. Es braucht wohl nicht betont zu werden, daß die Kameraden der guten Kommandos um unsere Gunst zu buhlen pflegten, wie jene der Kantine, Küche, Kleiderverteilungsstellen usw. Alle Türen und Tore sämtlicher Blocks öffneten sich uns ohne Schwierigkeit. Die Angestellten des Arbeitseinsatzbüros gehörten im Lager zweifelsohne zu den sogenannten ,, besseren" Leuten, mußten aber auch meist fleißig mit der Feder hantieren und an den Schreibmaschinen herumhämmern.
Lagerführer Trenkle führte uns Geistliche am ersten Tage persönlich zum Bürochef und schrie mit gewohnter Grobheit: ,, Ihr Kommunisten habt hier ausgewirtschaftet. Vier Pfarrer treten sofort den Dienst an." SS - Vernehmungsführer Bach sagte mir ein paar Tage später: ,, Sie kamen zur Überwachung der Kommunisten in dieses Büro. Es liegt daher in Ihrem Interesse, uns auf dem Laufenden zu halten." Keinem Häftling war es übrigens in den Jahren 1942/43 entgangen, daß der kommunistisch eingestellte Arbeitseinsatz die kommunistisch gesinnten Kameraden bevorzugte. Durchweg lagen alle besseren Stellen des Personals und der Capodienste in den Händen der Linksparteien. Darüber darf man sich nicht allzusehr wundern, da die Kommunisten vielfach zu den alten Lagerhasen gehörten. Manche schmachteten ⚫ schon seit 1933 hinter dem Stacheldraht. Wir Geistlichen durchschauten sofort, was die SS - Leitung mit uns beabsichtigte. Die Kommunisten sollten aus dem einflußreichen Büro verdrängt, eine Kluft
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