Levy, Salomon... Bekanntlich sind in Auschwitz Millionen unschuldiger Juden vergast worden. Trotz strengster Überwachung nahmen wir Kleider für uns und die Kameraden. Ein paar Tage lang trug ich eine ,, geraubte" wollene Unterjacke. Doch der quälende Gedanke an die gemordete Jüdin, die einst in glücklichen Stunden dieses Kleid getragen hatte, bewog mich, es einem neu angekommenen Franzosen zu überlassen, der von der ganzen Geschichte nichts wußte.
Bei einer anderen Gelegenheit fand ich unter den Stoffen auch Meßgewänder, Stolen, Alben, sogar Kirchenteppiche. In der Nacht verloren diese Gegenstände zum Teil den Weg zur Spinnstoffsammlung und landeten in unserer Kapelle.
Ein Mithäftling entdeckte in einem Mantel 80000 französische Franken. Einem anderen fielen Goldstücke in die Hände, die in Kleidern eingenäht waren. Solche Wertgegenstände wurden bis zur Befreiung vergraben. Mancher Kamerad hat in Dachau Wertsachen versteckt und ist im Winter 1944/45 das Opfer des Hungertyphus geworden. Wer hat wohl seitdem diese Schätze gefunden?
In meinem Besitz befindet sich ein wertvoller Platinring, den ich fast zwei Jahre lang den Blicken der raubgierigen Nazis entziehen konnte und glücklich mit nach Hause brachte. In dem Ring stehen in französischer Sprache die Worte eingraviert: ,, Henriette à Pierre, 28 janvier 1936." Wem gehörte dieser Ring?
Im Frühjahr 1943 wurden einige Pfarrer des Desinfektionskommandos ausgesucht, die mit einer Säure alle Türgriffe sämtlicher Blocks, besonders jene der Aborte, zweimal täglich befeuchten mußten. Die Säure sollte alle Bazillen vernichten.
Der Eimer in der Hand galt als Passepartout für sämtliche Blocks. Wir tauchten einen Pinsel in die Säure und schmierten das Wasser an die Türklinken. Das Ganze war nur eine Propagandakomödie. Die Kommission des Schweizer Roten Kreuzes sollte feststellen, wie ,, rührend" der Lagerkommandant für die Gesundheit der ,, lieben" Häftlinge sorgte. Mir gefiel dieses Amt über alle Maßen. In knapp 60 Minuten war meine Tagesarbeit bewältigt, und so verblieben mir zehn Stunden, um mit Kameraden zu schwatzen, Almosen zu verteilen, Kranke zu besuchen und Glaubensbrüdern die hl. Kommunion zu bringen.
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