ersten Wochen harte Forderungen. Ein braver Tiroler führte mich in die mühevolle Theorie und einige Tage lang in die gewiß nicht leichte Praxis des Bettenbauens ein. Die zu bearbeitenden Objekte waren der Strohsack, der Kopfkeil, bei uns Kopfkissen genannt, das weiße Lein­tuch und eine dicke, graue Decke, wie man sie daheim dem Vieh auf den Rücken legt. Diese Decke zeigte im Breiteabstand von 60 cm der Länge nach zwei blauweiße Streifen. Als Hilfsmittel zum Bauen des Bettes dienten die Hände, eine scharfe Beobachtungsgabe, ein Stock und zwei mit Griffen versehene, glatte Bretter. Der erste Angriff galt dem Strohsack. Er mußte in eine große, rechteckige Zigarrenkiste mit scharfen Kanten an den vier Seiten umgeformt werden. Der Stock suchte sich einen Weg durch den Strohsackschlitz und stieß das Stroh, das in der Nacht auseinander oder zusammengedrückt worden war, gegen die Ränder. Dann bearbeiteten die zwei Bretter durch Drücken, Reiben und Glätten den armen Strohsack so lange, bis er an den vier Eckseiten und auf der Liegefläche ohne irgend eine Buchtung, glatt wie das Wasser auf dem Spiegel eines Teiches, aber auch besonders scharf gekantet war. Das weiße Leintuch mußte sodann über den Strohsack gespannt werden, ohne dabei auch nur ein millimeterbreites Fältchen zu bilden. Das kunstgerechte Umschlagen des Leintuches unter den Strohsack, sodaß er wie angegossen schien, überstieg fast immer meine Fingerfertigkeit. Manch heißer Angstschweißtropfen träu­felte mir bei dieser Operation von der Stirne. Da nützten mir alle meine philosophischen, theologischen und anderen Kenntnisse garnichts. Sobald ich an einer Kante glücklich allen Falten den Garaus gemacht hatte, grinsten mich an anderen Stellen neue Falten unheilverheißend an. Nun kam der steife, mit Seegras vollgestopfte, scharfkantige Kopfkeil an die Reihe. Er mußte auf den Millimeter genau am Kopf­ende mitten auf dem Strohsack liegen und zwar in einer solchen Höhe, daß die Kopfkissen der anderen Betten, die nebeneinander standen, eine kerzengerade Linie bildeten. Da bückte ich mich, drückte ein Auge zu und blinzelte auf die anderen Betten, strich an meinem Kopfkissen her­um, bis die gerade Linie, meiner Meinung nach, erreicht war. Jetzt hieß es alle Vorsichtsmaßnahmen treffen, um ja nicht das Kopfkissen durch eine unvorsichtige Berührung zu verschieben. Zum Schluß wurde die graue Decke auf dem Boden oder auf einem Tisch so zusammen­

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