Während des Jahres 1943 wirkten Geistliche als Krankenpfleger. Selbstverständlich kümmerten sie sich auch um die unsterblichen Seelen jener Mithäftlinge, die geistlichen Beistand erbaten. Als zweimal der Typhus ausbrach, meldeten sich viele Priester freiwillig als Krankenpfleger in die Seuchenlazarette. Vier Kollegen starben dort an Ansteckung.
Der bereits genannte pfälzische Pfarrer Fritz Seitz war schon 1943 als Portier am Tor des Spitals angestellt. Frühmorgens schlich er zur Kapelle, nahm hl. Hostien aus dem Tabernakel, versteckte sie im Zipfel seiner Unterkleider, und brachte sie den Sterbenden.
Als die Pfarrer später restlos aus dem Spital vertrieben wurden, schlichen sich einzelne Priester trotzdem mit Hilfe katholischer Häftlingsärzte immer wieder zu den Kranken. War dies nicht möglich, dann gaben wir die hl. Kommunion Laienkrankenpflegern, dem Personal oder den Ärzten. Die hl. Gestalten wurden den Kranken übergeben und sie kommunizierten sich selbst. Unser lothringischer Landsmann Lucien Untereiner aus Metz und viele andere Laien spendeten Kranken und Gesunden die hl. Kommunion. Einen besonders hl. Eifer zeigte auch unser heutiger Armeeminister Edmond Michelet . So brachte er oft dem kranken Bischof Msgr. Piguet die hl. Hostie ins Spital und wirkte auch in andern Fällen als Tarzisius . Ein kranker Kamerad riẞ vom Fenster des Waschraumes ein kleines Stück Glas unten an der Ecke heraus. Ich selbst schlich mich oft vorsichtig heran und reichte ihm durch diese Öffnung für Sterbende und Gesunde die hl. Hostien in einem Zigarettenetui.
Jesuitenpater Pereyra veröffentlichte im Paulinusblatt im Jahre 1945 einen Artikel mit dem Titel: ,, Christus in Dachau ." Er schreibt unter anderem:
,, Die Priester hatten sich im Revier als Pfleger oder Hausel anstellen lassen, verrichteten dort die schmutzigsten und niedrigsten Dienste, um den Sterbenden nahe sein zu können. Heiliges Öl und jeweils die hl. Hostien ließen sie sich von Kameraden des Blocks Nr. 26 ins Revier bringen, natürlich nicht offiziell, sondern im Geheimen, und hier muß ich in rühmender Weise besonders die polnischen und französischen Priester erwähnen, die in opfervoller Liebe oft bis zur Hingabe ihres eigenen Lebens für ihre Landsleute sorgten. Ebenso
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