Vorwort
In den furchtbaren Kriegsjahren von September 1939 bis Mai 1945 haben alle Völker der Erde kaum ertragbare Leiden erdulden müssen. Dürfen diese Leiden und Opfer der Vergessenheit anheimfallen? Gewiß nicht! Und doch vergißt der Mensch auch die herbsten Ereignisse nur zu schnell. Zwar erzählt einer dem andern, was er gelitten hat. Doch solche Erzählungen gehen zu einem Ohr hinein und zu dem andern hinaus. Zwar veröffentlichen die Zeitungen täglich Berichte. Aber nur selten hebt sie einer auf. Und doch sollen unsere Nachkommen noch nach Jahrhunderten von unserm außergewöhnlichen Elend erfahren. Dazu kann also nur das Buch verhelfen. Wir müssen deshalb allen ernsten Schriftstellern dankbar sein, wenn sie das in Büchern bewahren, was sonst vom Gras der Vergeßlichkeit nur allzu schnell überwuchert würde.
Da ich vom 16. Dezember 1942 bis zum Ende Mai 1945 im Konzentrationslager von Dachau interniert war, gehöre ich wohl zu denen, die legitimiert sind, einen genauen Bericht über dieses weltbekannte Lager zu schreiben. Ich kenne Dachau . Ich habe gesehen. Ich habe gehört. Ich war lange in Büros tätig und habe in den Akten geforscht. Geheim, ganz geheim, habe ich Notizen gemacht, obwohl dabei manchmal schon der Strang am Halse kitzelte, denn wer Material gegen die Nazis sammelte und dabei erwischt wurde, baumelte am Galgen. Nur was ich selber wahrgenommen habe und was glaubwürdige Kameraden erzählen, wird veröffentlicht. Freunde, die gleichfalls jahrelang in Dachau waren, haben das Manuskript zur Kontrolle durchgesehen.
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