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Jedem das Seine : satirische Gedichte / Karl Schnog ; Zeichnungen von Herbert Sandberg ; Nachwort: Eugen Kogon
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MAN MUSS SICH WUNDERN

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Man muß sich wundern, daß noch Kinder lachen In dieser Welt, die ihre Eltern jagt.

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Daß man Juwelen nicht muß mehr bewachen,

Wo an so Vielen nachts der Hunger nagt.

Man muß sich wundern, daß nicht Kriege toben, Und einer in des andern Messer läuft,

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Da sie nur ,, Abwehr" ,,, Schutz" und ,, Angriff" proben, Und jedes Land die Todeswaffen häuft.

Man muß sich wundern, daß die alten Phrasen Auf junge Menschen ihre Wirkung tun,

Und daß kein Film zu blöd' und zu verblasen, Daß nicht bewundernd Augen auf ihm ruhn. Man muß sich wundern, daß so manche Währung Auf Spinneweben wie auf Stahlband thront,

Die Welt, die's weiß, kommt nicht einmal in Gärung, Mit Schaumgeld wird als sei es Gold- entlohnt.

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Man muß sich wundern, daß noch Menschen lesen, Wo aller Orten Radio faucht und kracht; Daß sie noch wissen, wer Voltaire gewesen, Wo jeden Sonntag tobt die Fußballschlacht; Man muß sich wundern, daß noch Kühe grasen, Und daß der Landmann zieht mit seinem Pflug, Wo wir von sinnloser Vernichtung lasen, Damit der Marktpreis auch nur hoch genug.

Man muß sich wundern, daß die Diplomaten ( Und alles andre, was sich dafür hält) In fremden Ländern ,, streng privat" beraten Und dies Privatgespräch der Welt gefällt.

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