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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
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to. Nicht eine

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uften sich ver- 1

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hell zwischen breit zu sehen,

der abgerisse-

Schweiß gebadet stand Fabian wie gebannt zwischen den eisigen Trümmern. Nach endlosem Umherirren gelangte er endlich todmüde und "zerschlagen nach Hause. In seinem Zimmer war es kalt, und er setzte sich im Mantel, den Kragen hochgeschlagen, auf sein kleines Sofa im Büro. Immer noch war sein Gesicht mit Schweiß be- deckt, und es sah ganz so aus, als ob der Schweiß an seiner Stirn festgefroren wäre. In irgendeinem Spiegel hatte er flüchtig sein

> Gesicht gestreift. Kreidig sah sein Gesicht aus, grau und kreidig,

es gefiel ihm nicht, ganz und gar nicht.

Hier saß er nun in seinem Mantel, er zündete sich den Stum- ‚pen einer Zigarre an, den er in einer Schale fand, und starrte mit

wachen Augen vor sich hin. Trauer, Qual, Schmach, Schande, Ekel, sonst war nichts mehr in ihm. Das Schicksal hatte

"ihn vernichtet und zermalmt. Er stöhnte zuweilen leicht vor sich

hin. Sein Zug war längst fort, nach dem Osten lief er, immer

=. weiter nach dem Östen.

Nun, er reiste nicht. Es hatte ja keinen Sinn mehr! Wozu? Wozu? - Ein Glück war es, daß Wolfgang das entscheidende Wort von derromantischen Geste ausgesprochen hatte, er dachte sich vielleicht nur wenig dabei. Ohne dieses Wort, er kannte sich gut, _ wäre er wohl wieder in die Lüge hineingeraumelt. Wer weiß es? Glaubst du wirklich, daß all das Unheil, daß ihr über die Welt gebracht habt, durch eineromantische Geste gesühnt werden

kann?

Hatte er das nicht gesagt? Eingebrannt in meine Seele sind deine Worte, Wolfgang, den ich liebe. Du hast in mein Herz geblickt. Wahrhaftig, wir wollen offen miteinander sprechen, hörst du, es ist furchtbar, in der Lüge verstrickt zu sein, ich ertrage es nicht mehr, ich will mich nicht mehr belügen! Du kennst mein Herz, Wolfgang, ja, ich liebe es, in der Uni- form eines Hauptmanns mit vielen Orden auf der Brust herum-

. zulaufen. Du hast ganz recht, ich liebe es, eine Batterie zu kom-

mandieren und Befehle zu schreien. Das Grauen einer Luft, die - von tausendfachem Tod erfüllt ist, ich liebe dieses Grauen, so irr-

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