Druckschrift 
Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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Major Taubenhaus, das war wohl selbstverständlich, hatte viel zu erzählen, wie alle, die von da draußen kamen. So wie man ihn vor sich sah, war er Kommandant von Smolensk . Eine Stadt, wie? Nein, keine Stadt, sondern ein einziger Trümmerhaufen, deutsche Artillerie und deutsche Tanks hatten ganze Arbeit ge­macht. Er hatte sich ein Regierungsgebäude herrichten lassen, und jetzt bauten sie ein Kasino, die gottvollste Sache zwischen Berlin und Moskau . Stadtbaurat Krieg von hier baute es, er hatte ihn nach Smolensk befohlen. Da brauchte er nicht zu knausern wie hier, wo er wegen einer Treppe von dreißig Mille zeter­mordio schrie. Ein Schauspiel für Götter war es gewesen, als Krieg seine Tochter Hermine wiedersah, den einen von den Zwillingen! Taubenhaus hatte ja die Kleine mit nach Smolensk genommen, wo sie als Hausdame und Chef des Sekretariats tätig war. Und einen Küchenchef hatten sie, ganz einfach erstklassig, er war früher im ,, Hotel Eden" in Berlin gewesen, ein wahres Wunder! Nun, über ihre Verpflegung konnten sie sich wahr­haftig nicht beklagen, ja, man könnte behaupten, im Vergleich damit hungerten die Leute in der Heimat. Wenn sie einen Ochsen nötig hatten, schon war er da, brauchten sie fünfzig Hasen, schon lagen sie am nächsten Tage in der Küche. Und Weine, Weine! Schnäpse, Liköre. Wollten sie Sekt, Whisky, Tokaier, Malaga? Schon ist es da!

Leider blieb Taubenhaus nur drei Tage. Er war zum Ein­kaufen hierhergekommen. Riesige Kisten und Ballen kaufte er für seine Wohnung in Smolensk zusammen, Lampen, elektrische Ofen, Vorhänge, Bettvorleger, Teppiche, Staubsauger, Parfüme, Büstenhalter für die Damen, es war ein ganzer Waggon voll.

Taubenhaus war abgereist und in der Stadt herrschte die alte Langeweile, bis wieder jemand mit Neuigkeiten von der Front kam. An vielen Abenden war sogar der Stern" völlig verödet, es gab immer weniger Männer in der Stadt. Einen gesellschaftlichen. Verkehr kannte man schon lange nicht mehr. In allen Familien herrschte Kummer und Trauer, es gab nur noch wenige Familien in der Stadt, die nicht einen Toten zu beklagen hatten. Die Vor­träge in Clotildes Salon waren seltener geworden und langweilten Fabian, wenn er ehrlich sein sollte.

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