Die Alte hatte einen Sohn, der Soldat war und morgen nach Breslau in die Kaserne mußte. ,, Er kann den Brief in Breslau einwerfen", flüsterte sie Marion leise ins Ohr ,,, niemand wird es erfahren."
Marion dankte ihr, als sie aber für den Boten einen Hundertmarkschein hinlegen wollte, hob die Alte abwehrend die Hand. ,, Von Unglücklichen nehmen wir kein Geld, Fräuleinchen", sagte sie. ,, Gott soll uns davor beschützen."
Marion fand beim Suchen in ihrem Täschchen zu ihrem Erstaunen einen flachen, geschliffenen Brillanten von der Größe einer Linse. Sie erinnerte sich nicht, woher dieser Stein gekommen war, vielleicht wollte sie sich einmal einen Ring daraus machen lassen? ,, Nehmen Sie diesen Brillanten zum Andenken", sagte sie zu der Alten. ,, Sie können ihn jemand schenken, vielleicht ist er auch nichts als Glas."
Die Alte nahm den Stein zum Andenken, sie war überzeugt, daß es Glas war, sie stammte aus der Gablonzer Gegend.
Am nächsten Morgen kam ein neuer Transport von fünfzehn Viehwagen aus Berlin durch, und zwei Soldaten holten Marion ab.
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