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Sie konnte zum Gauleiter gehen, ihm ihre Schuld bekennen und ihn bitten, ihr zu vergeben. Das war die einzige Möglichkeit, sie zu retten. Das erstemal war sie zu ihm gegangen, um ihm zu gefallen, es war damals, als sie die Schulräume benötigte. Sie gefiel ihm. Damit begann ihre Schuld. Als er sie aufforderte, ihm italienischen Unterricht zu erteilen, hätte sie es unbedingt verweigern müssen, sie tat es nicht. Oh, es war keineswegs so, daß sie sich bemühte, die Neigung, die Rumpf für sie empfand, zu steigern, nein, so war es nicht, keineswegs, aber sie tat auch nichts, um diese Neigung in Abneigung und Gleichgültigkeit zu verwandeln. Sie gab sich heiter und fröhlich, weil er es liebte, sie lachte, weil er es gerne hatte, sie machte sich hübsch, um ihn zu fesseln. Sie lernte sogar das Billardspiel, weil er es liebte, und es muß gesagt werden, sie gefiel sich in den schönen Posen, die das Billardspiel ermöglicht! Sie genoß seine Weine, Liköre, sein Essen, seinen Schutz! All diese tausend Dinge aber bildeten ihre Schuld, sie häufte Schuld auf Schuld, immer mehr und mehr. Sie täuschte ihn Jahre hindurch!
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Sie konnte unmöglich zu ihm gehen, um ihm zu sagen, daß sie ihn jahrelang täuschte, nein, das konnte sie nicht! Kein Mensch aber konnte das verstehen.
Am dritten Tag schrieb sie einen Brief an den Gauleiter, den sie am vierten in der„, Burg" abgab.
Von diesem Tage an hielt sie sich bereit. Sie wußte, daß die Zeit gekommen war, ihre Schuld zu sühnen.
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Zwei Tage später fuhr in der Dämmerung ein Wagen vor ,, Amsel" vor, und Marion und Mamuschka wurden verhaftet. Einer der beiden Beamten war der Chef der hiesigen Gestapo , der lange Schilling, der sich sehr ernst und gemessen betrug. ,, Ich bitte, meinem Vater Lebewohl sagen zu dürfen", bat ihn Marion, aber er untersagte es ihr in schroffem Ton.
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Die beiden Frauen wurden in der Heiligengeistgasse in Gewahrsam gebracht, wo sich schon mehrere ihrer Schicksalsgenossen befanden. Einige bejahrte Frauen und Männer saßen da, völlig gebrochen und apathisch, und eine ältere Dame mit schneeweißen Locken, die ihr bis ins Genick herabfielen. Sie hatte zwei reizende Mädchen von etwa acht Jahren bei sich, auffallend
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