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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
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Sie bereitete sich wieder auf ihre gewöhnliche Haltung vor: liebenswürdig, scheinbar völlig natürlich und doch stets auf der Hut. Mamuschka entließ sie mit tausend Ermahnungen zur Vor­sicht. Marion lachte. Kurz vor acht Uhr, bei trübem Mondlicht und heftigem Wind, verließ sie das Haus.

Rittmeister Möhn nahm sie wie immer in Empfang, in der Garderobe aber bediente sie nicht ein gewöhnlicher Diener, son­dern der alte persönliche Kammerdiener Rumpfs, der früher bei einem König in Diensten stand. Im gleichen Augenblick stieg auch schon der Gauleiter, in Zivil gekleidet, die Treppe herab.

,, Ich freue mich ganz außerordentlich, Sie nach so langer Zeit wiederzusehen!" begrüßte er sie von der Treppe aus auf italienisch. Er beeilte sich und schüttelte ihr kräftig die Hand. ,, Ich hoffe, Sie befinden sich wohl?"

,, Tausend Dank, Herr Gauleiter!" erwiderte Marion heiter und lachte ihr herzliches Lachen wie immer.

,, Ich bitte Sie einzutreten", bat Rumpf. ,, Sie müssen heute mit mir ganz allein vorliebnehmen."

Im Speisezimmer erst fiel Marion seine Veränderung auf. Er schien magerer geworden zu sein und sein Gesicht sah gelb und welk aus. Seine Haare waren etwas länger als gewöhnlich, doch ebenso tadellos gescheitelt, sein rötlicher Backenbart aber war weniger gepflegt als sonst. Er sah sogar etwas verwildert aus. Am auffallendsten war, daß seine Haltung weniger straff und mili­tärisch erschien, daran konnte aber der bequeme helle Zivilanzug schuld sein.

,, Sie fühlen sich nicht völlig auf dem Posten?" fragte Marion. ,, Nein, das könnte ich nicht gerade behaupten", erwiderte

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