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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
409
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Rußland zusammenstürzen wie eine Bretterbude, und der Krieg ist zu Ende!"

,, Bis heute sind alle Ihre Prophezeiungen eingetroffen, Herr Oberst!" sagte Fabian und goẞ Likör in die Gläser. ,, Noch ein Gläschen auf den Sieg!"

,, Für ein Gläschen wird ja noch Zeit sein", erwiderte der Oberst. ,, Ich bin eben dabei, mir einen neuen Gefechtsstand zu bauen, der Tommy hat mir den alten heute nacht völlig zer­stört." Er klappte scharf mit den Absätzen und warf die rechte Hand hoch. ,, Auf den größten Feldherrn aller Zeiten!" rief er aus und ergriff das Glas.

Dann verließ er unter Absatzklappen und vielen Verbeugungen Fabians Arbeitszimmer.

Fabian blieb in gehobener, froher Laune zurück. Er zieh sich der Ungeduld und des Kleinmuts. Das Abenteuer in Afrika und in Kreta hatte nicht seine Zustimmung gefunden, es kostete zu­viel Blut, und das Waffenbündnis mit Italien hatte ihm von Anfang an mißfallen. ,, Ein Soldat aber muß Geduld haben und Gehorsam üben", rief er sich zu. Heute sah er ein, daß er unrecht gehabt hatte, noch wenige Monate und der Krieg war zu Ende!

Ja, ohne ihn, leider ohne ihn würden sie das größere Deutsch­ land aufrichten, dachte er, während er in seinem neuen Arbeits­zimmer hin und her ging. Er hatte gewünscht, sich der vor­stürmenden Armee anzuschließen, aber das Schicksal hatte ihm diesen Herzenswunsch versagt. Viele Tage hatte er mit dem Schicksal gehadert und war von Pontius zu Pilatus gelaufen. Warum nicht er? Konnte er etwa kein Geschütz bedienen, hatte er nicht im Weltkrieg seine Batterie mit Auszeichnung geführt? Es war wirklich zum Verzweifeln! Schließlich hatte dieser Tau­benhaus alle seine Pläne zunichte gemacht. Schon in den Tagen als Smolensk noch umkämpft wurde, erschien er in herrlicher, funkelnagelneuer Equipierung im, Stern" und stellte sich als Stadtkommandant von Smolensk vor. Natürlich hatte er diese Auszeichnung seinem Freunde Rumpf zu verdanken.

,, In meiner Abwesenheit, lieber Regierungsrat", sagte er zu Fabian ,,, werden Sie die Verwaltung dieser Stadt übernehmen!" Er glaubte, Fabian noch eine Gunst zu erweisen.

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