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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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Es war das gleiche Zimmer, in dem er einmal vor der Geheimen Staatspolizei verhört worden war. Der Raum war voller lär­mender Menschen, Männer und Frauen, die alle jammerten und durcheinanderschrien.

Wolfgang hatte noch nicht die Zeit gefunden, sich ein Plätz­chen auszusuchen, als alle Verhafteten aus dem Raum hinaus­getrieben wurden und man sie in ein kleines Auto hineinstieẞ. Dabei erhielt er einen heftigen Schlag gegen das rechte Ohr.

Es war einer jener kleinen Wagen, die jetzt, da die Straßen asphal­tiert waren, in Abständen von zehn Minuten durch die Stadt fuhren. Taubenhaus hatte seinerzeit von diesen kleinen Omnibussen dreißig Stück eingesetzt, die von den Schellhammerschen Werken geliefert wurden. Halb betäubt von dem heftigen Schlag gegen sein rechtes Ohr, kauerte Wolfgang in einer Ecke des Wagens, in sein Schicksal ergeben, und der Wagen fuhr ab und stolperte durch die Stadt. Jetzt haben sie dich gefaßt, ging es ihm durch den Sinn, wie sie alle einmal fassen, die nicht mit den Wölfen heulen, alle, alle, einen um den anderen, auch dich werden sie einmal fassen, Gleichen. Etwas anderes vermochte er nicht zu denken.

In seiner halben Betäubung bemerkte er, daß die meisten Leute im Wagen Juden waren, Frauen und Männer, auch einige Handwerker, Maurer und Zimmerleute, waren dabei. Alle schienen von einem neuen Ereignis so lebhaft in Anspruch ge­nommen zu sein, daß sie ihre Verhaftung vergaßen.

Roter Feuerschein fiel durch die Fenster des kleinen Omnibusses. ,, Gar kein Zweifel, es ist der neue Betsaal im Weberviertel!" sagte ein kleiner, krummbeiniger, alter Maurer mit kalk­bespritzten Arbeitshosen.

,, Gerechter Himmel! Sie haben den neuen Betsaal in Brand gesteckt!" jammerte ein alter Jude und raufte sich das Haar. ,, In der Schillergasse haben sie gestern eine Frau aus dem Fenster ge­worfen", fuhr er fort und sah dabei allen ins Gesicht. ,, Sie hat beide Beine gebrochen. Auch ein Kind warfen sie hinaus, es blieb auf der Stelle tot liegen. Was für Zeiten sind das! Gerechter Himmel!"

Der braune Parteisoldat, der auf dem Trittbrett des Omnibusses

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