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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
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Sie könne ihm aber heute schon sagen, daß sie sich freue, ihm nähergekommen zu sein und sich ihm geistig nahe verbunden fühle. Ganz wie er, wünsche sie, daß diese Verbundenheit an­dauern und sich noch vertiefen möchte. Sie bitte zu Gott, daß dies möglich sei. Ich bitte zu Gott, schrieb sie wahrhaftig.

Hier aber fühle sie wieder eine jener Schranken, wo die Feder versage und man die mündliche Aussprache herbeisehne. Sie freue sich darauf, ihn wiederzusehen und sich mit ihm über all diese Dinge, über die man nicht schreiben kann, auszusprechen und hoffe, daß diese Begegnung in nicht allzu ferner Zeit erfolge. Ich sehne mich jetzt häufig danach, wieder einmal mit Ihnen in unserem kleinen ,, Residenzcafé" zu sitzen und zu plaudern. Vielleicht kehren wir diesmal früher zurück als geplant, und wenn wir es tun, so sind Sie gewiß nicht ganz ohne Schuld daran. Doch mehr will ich nicht sagen!

Fabian war glücklich, als er diese Worte las, und sein Herz begann in Wahrheit lebhafter zu schlagen.

Dann schrieb sie noch einiges über eine gemeinsame Freundin, eine Klientin von ihm, und hier erfreute ihn wieder eine ihrer Bemerkungen. Wenn ich einen Mann liebe, schrieb sie, so denke ich doch nicht zuerst an die Ehe, wie Ruth es tut. Warum wird sie nicht seine Geliebte, was doch das natürlichste, einfachste und naheliegendste wäre? Sie braucht doch nicht erst darauf zu warten, bis er von seiner Frau geschieden ist? Schließlich ist Ruth doch keine kleine Verkäuferin. Sagen Sie ihr meine Meinung, wenn sie wieder in ihr Büro kommt.

So denkt nur ein klarer, aufrichtiger Mensch, der alle klein­lichen Vorurteile überwunden hat, dachte er beglückt. Ja, das war eine Frau, die man getrost heiraten konnte, ohne früher oder später über ihre Rückständigkeit entsetzt zu sein, wie es häufig bei Clotilde der Fall war.

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