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Die schöne Charlotte mußte nach der anstrengenden Reise ein Stündchen ruhen. Sie hatte längst begriffen, daß Schönheit ein Beruf war, den man nicht ernst genug nehmen konnte. Gefällig schob Rittmeister Möhn den Beginn des Soupers um eine Stunde hinaus, und Graf Dosse versprach, Charlotte rechtzeitig abzuholen. Der Gauleiter würde sowieso kaum vor zwölf Uhr erscheinen.
Um elf Uhr begann ein Quartett irgendwo in einem Nebenraum zu konzertieren und das Essen begann. Die Herren, noch angeheitert vom Diner im ,, Stern", waren in übermütiger Laune, und die geladenen Damen verloren augenblicklich jegliche Scheu und lachten und scherzten ausgelassen. Sie bemühten sich alle, die Dame zu spielen, fielen aber allzuoft aus der Rolle. Am besten gelang es noch der Majorin Silberschmied, die aus gutem Hause stammte. Vogelsberger sprach schon ein Jahr davon, sie zu heiraten. Möhns geliebte Klara, die Tochter eines schwerreichen Fabrikanten, ein hübsches, blutjunges Mädchen, das Möhn entführt hatte, benahm sich anfangs sehr affektiert, verlor aber bald alle Geziertheit und begann unmäßig mit heller Stimme zu lachen, ohne wieder aufhören zu können. Dann saß da noch eine stattliche Dame sehr eleganten Aussehens, die Leiterin eines Modesalons am Kurfürstendamm in Berlin . Sie sprach anfangs kaum ein Wort und hatte nur Augen für ihren Freund, den schweigsamen Adjutanten Frey, während Möhn ihr etwas auffallend den Hof machte.
Graf Dosse saß über seinen Teller gebeugt und strahlte vor Freude, sein Gesicht sah heute fast hübsch aus. Wenn ihn jemand nur anblickte, so hob er in verschwenderischer Laune sein Glas, und als der lachenden Klara die Serviette entfiel, schnellte er diensteifrig vom Sessel. Alle Augenblicke zog er die Uhr, und auf ein Zeichen Möhns verließ er den Saal. Wenige Minuten später kam er in Begleitung der schönen Charlotte zurück.
Alle Herren sprangen auf, die Damen drehten die Köpfe, und das helle Gelächter der leicht beschwipsten Klara brach mitten in einer klingenden Kaskade ab. Einige Augenblicke war es ganz still und man hörte das turbulente Heilgeschrei der Wachtmannschaft, die unten im Keller den Geburtstag feierte.
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