Druckschrift 
Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
173
Einzelbild herunterladen

en, und rwartet Kam­

t hatte,

verließ.

mmung.

leiben", smal in mt fügte

ett aus

ielmehr eradezu

chelnd.

Einige

Dosse,

häßlich Tat eine en Preis

er ,,, all

ch Ihre

Wien am burtstag

sich an,

e Hand

er noch

XVI

Im Stab des Gauleiters herrschte große Aufregung. Alle sechs Adjutanten waren Junggesellen, bis auf einen, der vor einem halben Jahr geheiratet hatte, da seine Braut ein Kind bekam.

Der immer vergnügte Rittmeister Möhn, ein Mann mit ver­wegenem Gesicht und kastanienbraunen Haaren, berühmter Rennreiter, richtete augenblicklich sein Hauptquartier ", wie er es nannte, im Rauchzimmer ein. Er bestellte eine Flasche Kognak und begann zu telefonieren, zu telegrafieren, alle mög­lichen Ausweise auszuschreiben. Zwei Damen kamen aus dem Westen, zwei aus Berlin und eine aus Wien . ,, Sie haben es gehört, Graf Dosse?" wandte er sich an den dunklen Adjutanten, der er­regt hin und her ging. Er interessiert sich besonders für Ihre preisgekrönte Schönheit, Madame Austria, es ist also unsere Pflicht, sie tot oder lebendig herbeizuschaffen."

Graf Dosse, der sonst niemals trank, goß sich einen doppel­ten Kognak ein. ,, Aber natürlich", entgegnete er und errötete. Seine Hand zitterte, als er das Glas hob. ,, Charlotte wird be­glückt sein, hochbeglückt!" Unwillkürlich nahm er einen leich­ten Wiener Dialekt an. ,, Aber Sie wissen ja, mein Lieber, sie ist am Theater in Wien , das zur Zeit in Budapest gastiert. Wir haben nur noch zwei knappe Tage! Ich wäre ja unglücklich, verzweifelt wäre ich, wenn es nicht mehr möglich wäre."

,, Lufthansa! Weshalb haben wir denn die Lufthansa", lachte Möhn. ,, Eine Depesche an die Privatadresse, eine Depesche an das Theater in Wien und eine Depesche an das Theater in Budapest . Es müßte des Teufels sein, wenn es uns nicht ge­länge, die göttliche Charlotte heranzuholen."

Graf Dosse schrieb Charlottes Privatadresse auf einen Notiz­block. Sie war in der Tat eine preisgekrönte Schönheit, die vor zwei Jahren bei einer Schönheitskonkurrenz in Wien den ersten Preis bekommen hatte und seitdem den Namen Madame Austria trug. Zur Zeit trat sie in Wien als Tänzerin auf. Keiner der Herren hatte sie bis heute zu Gesicht bekommen, nur der blonde Vogelsberger sah eine Abbildung von ihr in einer illustrierten Zeitung und fand ihr Aussehen ,, berauschend".

173