Druckschrift 
Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen
  

urz die

er Er­

er zum

hunter ng und

ben Sie

Clotilde ist der

er ver­

Vogels­

djutant de!"

e hinter m, und

san das

ich aber

es Saales htig, die ebenso

te heute

er

sahen

mnmal das

nest" in sich ver­

ang er mit

Her pom­

merschen Stadt liefen, aus der er kam. Die Zuhörer hatten Ge­fallen an dieser Schlichtheit und waren aufs äußerste erstaunt, zu hören, daß über den Marktplatz ihrer Stadt ebenfalls Gänse und Ziegen liefen, aber Gänse und Ziegen ganz anderer Art, einer wenig erfreulichen, ja beschämenden Art. Sie lachten belustigt und klatschten Beifall.

Eine feine Röte stieg in das leblose und steife Gesicht und von diesem Augenblick an schien Taubenhaus zum Leben zu er­wachen.

,, Ich bin hierhergekommen", rief er mit lauter Stimme und seine goldene Brille funkelte ,,, um die geistigen Motoren dieser Stadt anzuwerfen und die seelischen Kraftquellen zu schließen!"

Er brüllte es so laut, daß die Zuhörer erschraken.

Ja, diese Stadt, einstmals genannt ,, die Stadt der goldenen Türme", sollte wieder in ihrem alten Glanz erstrahlen. Sie sollte in wenigen Jahren die schönste und gepriesenste aller Städte des Landes werden, beneidet und bewundert wegen ihrer Schönheit, ihres Reichtums, ihres Gemeinsinns und ihrer Gastfreundschaft. Beifall rauschte auf. Er wollte ein völlig neues Theater für Oper und Schauspiel errichten, das heutige sollte wie ein Gänsestall da­gegen erscheinen, eine Kunsthalle, eine Musikakademie, die schön­sten Sportplätze und Schwimmhallen der Welt. Die Augen der Bürger glänzten. Die ganze Stadt sollte mit spiegelglattem Asphalt überzogen werden, auf dem rasche Autobusse in schnel­ler Folge dahinrollten. Was nützten denn diese elektrischen Bahnen, auf die man volle fünfzehn Minuten warten mußte? Mit der Uhr in der Hand hatte er die Minuten gezählt!

,, Die Stadt schläft, ja bei Gott, sie schläft noch ihren mittel­alterlichen Schlaf! Wie ein Donner will ich sie wecken!" Hier brüllte er lauter noch als das erstemal. Neue Brücken wollte er schaffen, und er verweilte längere Zeit bei der ,, Heldenbrücke", auf der Friedrich der Große auf stolzem Rosse dahinritt, in­mitten von Bannerträgern und Trommlern, von Landsknechten mit Hellebarden und Morgensternen, gefolgt von Germanen mit Streitäxten und knorrigen Keulen. Neues Siedlungsland für Tau­sende und aber Tausende wollte er erschließen, denn die Stadt

8*

115