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Totentanz / Bernhard Kellermann
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Gewändern saßen im Chor. Priester wandelten während der heiligen Handlung die Stufen zum Hauptaltar auf und nieder, der Bischof, ein ergreifender Greis, zelebrierte die Messe. Eine Unzahl von Ministranten bewegte sich lautlos beim Altar, der Weihrauch stieg im Schein der Kerzenflammen in die Höhe, die helle Glocke klingelte, ein Buch wurde feierlich hin und her ge­tragen. Und das alte Latein, es hatte einen feierlichen, nie ge­hörten Klang! Herrlich erzählte Christa.

,, Die Orgel ertönte! Ich weiß nicht, ob Sie wissen, daß der Dom von Palma eine der größten und wunderbarsten Orgeln der Welt besitzt? Diese Orgel konnte mehr als ein Mensch, sie konnte flüstern, seufzen, schluchzen, schreien, wimmern, lachen, weinen, frohlocken, jubeln, was konnte sie nicht? Ja, sie konnte noch mehr als ein Mensch, sie konnte brausen, donnern, rasen, verdammen und segnen. Wenn Gott eine Stimme hätte, so müßte er so reden! Ein Mönch saß oben bei der Orgel, der be­rühmte Franziskaner Franzisco, einer der größten und unüber­troffensten Meister nicht nur Spaniens , sondern der Welt! Unvergeßlich wird mir für immer sein Spiel in dem von Tausenden von Kerzen erleuchteten Dom bleiben! Und das be­schwörende alte Latein, es war wie ein Fest im Himmel." Sie hielt inne.

,, Ich kenne den Wortlaut der Messe sehr gut", sagte Fabian halblaut und nickte, völlig benommen von ihrer Schilderung.

,, Alle Leute weinten vor Ergriffenheit", schloß Christa ,,, auch Mama weinte, die niemals weint. Und auch ich weinte, daß mir die Tränen übers Gesicht liefen, überwältigt wie alle." Sie blickte Fabian an und lächelte.

Die Schilderung ihres Erlebnisses, das Christa selbst ihr größtes nannte, hatte sie in starke Erregung versetzt und von neuem hin­gerissen. Das nervöse, feine Geknitter erschien wieder auf ihrer Stirn, ihre Lider und Brauen bebten, und auch ihre Lippen zitterten. Ihr Gesicht war blasser geworden und spiegelte in allen Zügen so klar ihre Erregung wider, daß es sich verwandelte und förmlich verklärte. Niemals hatte Fabian ihr Gesicht so ge­sehen, niemals hatte er ein menschliches Antlitz so wahr ge­sehen.

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