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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
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Aufnahmen, wie man sie auf Reisen unterwegs kaufen kann, viele jedoch hatte sie mit der eigenen Kamera festgehalten.

Christa Lerche- Schellhammer hatte sich einige Jahre mit Mo­dellieren und Malen beschäftigt, war aber nunmehr endgültig, wie sie sagte, zur Architektur übergegangen, um die sie sich mit größtem Ernst bemühte. Zusammen mit ihrer Mutter unter­nahm sie jedes Jahr eine Reise im Auto, das die beiden Frauen abwechselnd steuerten. Im vergangenen Jahr hatten sie einige Monate Spanien bereist und all diese Photos mitgebracht, meist Aufnahmen von Bauwerken und architektonischen Einzelheiten, Portale, Treppen, Kapitäle, Säulengänge, Wasserspeier und an­dere Details, die Christa besonders interessierten.

Christa nickte. ,, Warten Sie", begann sie eifrig ,,, ich will Ihnen zuerst diese herrliche kleine Kapelle aus Toledo zeigen, eben hatte ich sie noch in der Hand, ich glaube, sie ist eine der ältesten Kirchen Spaniens . Im Kirchenschiff hängen einige der herrlichsten Greccos, die aber zum Teil leider leichtfertig restauriert wurden. Hier ist sie. Unglücklicherweise konnte ich nur diese armselige Photographie auftreiben."

Und sie erzählte, daß gegenüber von dieser Kapelle eine Wein­kneipe lag, in die sie sich beide verliebt hatten, besonders ihre Mutter. Das war ein kleiner Keller, in dem Reihen von manns­hohen Weinkrügen, Amphoren, standen, mit dem spitzen Fuß in die Erde eingegraben und mit primitiven Stangen aufrecht gehalten. Die riesigen Amphoren waren aus rotem Ton, und der ganze Keller sah wohl überhaupt noch ebenso aus wie zur Zeit der alten Römer. Er war einfach herrlich! Es gab hier die köst­lichsten alten Weine, und sie tranken beide hier jeden Tag ein Gläschen. Ihre Mutter pflegte zu sagen: Gehe du ruhig zu deinen Greccos, ich bleibe hier bei meinen Amphoren. Christa lachte. Sie erzählte reizend, mit einer seltenen Anschaulichkeit. Jede Einzelheit schien ihr in der Erinnerung plastisch vor Augen zu stehen. Ihre schlanken Hände formten die hohen Amphoren, und die herrlichen Greccos leuchteten im Glanz ihrer Augen. Fabian genoß erneut den Klang ihrer weichen Stimme und die Klarheit ihrer Sprache, die die einzelnen Worte wie Geschmeide aneinanderreihte.

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