E
„Schade, schade!“ rief der Justizrat aus, indem er den grauen Pudelkopf hin und her wiegte.„Keinerlei Aufzeichnung, keinen Brief? Das hätte stärksten Eindruck gemacht! Eine deutsche Frau, die ihre Figur schonen will! Schade, schade!“ Wieder wiegte er den grauen Pudelkopf hin und her.„Auf jeden Fall werden wir dieses Verhalten in das grellste Licht setzen, auch wenn man es abstreitet.““
Sie besprachen noch dies und jenes, während Fabian über seine Ehe nachdachte.
Traurigkeit überkam ihn, daß eine Liebesheirat ein solch be- schämendes Ende nehmen sollte.
Er sah Clotilde als Mädchen vor sich, einen schneeweißen wippenden Florentinerhut auf den blonden Haaren, dessen dunkelblaue Schleife ihre Augen noch heller erscheinen ließ. Sie war frisch und reizend wie alle jungen Mädchen, strebsam, voller Interesse für Kunst und Literatur, wißbegierig, fleißig, spielte eifrig Klavier und lernte fremde Sprachen. Damals reiste sie viel mit ihrer Mutter, die eine launenhafte und hochmütige Frau war und gerne die große Dame spielte. In dieser Zeit galt Clotilde für vermögend, ihre Mutter besaß vier stattliche Mietshäuser, und Fabian konnte nicht leugnen, daß ihn diese vier Häuser besonders reizten, sich um die Hand des jungen Mädchens zu bewerben.
Von einer Mitgift war natürlich nicht die Rede, denn Clotilde würde ja als einziges Kind die vier Häuser erben. Als aber die Muter starb, stellte sich heraus, daß die vier Häuser mit Hypo- theken überlastet und so stark vernachlässigt waren, daß Fabian froh war, sie endlich abstoßen zu können.
All das ging ihm durch den Sinn, während der Justizrat ver- schiedene Punkte aus dem Schriftsatz des Gegenanwalts halblaut 'vorlas. Er hatte alles schon oft gehört und es interessierte ihn kaum noch, als beträfe es einen Fremden.
Der ganze unglückliche Verlauf seiner Ehe mit Clotilde stand ihm vor Augen. Vielleicht verändern sich alle Frauen völlig in der Ehe? dachte er. Vielleicht bricht ihre wahre Natur in der Ehe durch, jetzt, da sie ihr Ziel erreicht haben? Vielleicht werden die leichtsinnigen in der Ehe Verschwenderinnen, die häuslich veranlagten wahre Wirtschaftsteufel? Wer weiß es?


