völlig neue ethische Basis gestellt werden. All diese Dinge ver- wirrten mich, wie sie viele verwirrten. Dabei habe ich aber nie die Großtat der Partei vergessen: die Überwindung der Arbeits- losigkeit! Die Partei hat damit das deutsche Volk vor dem gänz- lichen Zusammenbruch bewahrt.“
Die blauen Räderspuren wurden plötzlich düster, und feine, winzige Fontänen stiegen aus ihnen empor. Fabian blieb stehen, wahrhaftig, es regnete. Aber unbekümmert um den Regen schritt er weiter, zufrieden mit sich, daß er heute alles mit so großer Klarheit sah.
Ein Fuhrwerk rasselte ihm entgegen, auf dem lauter schwatzende Bäuerinnen saßen, Säcke und zum Teil auch die Röcke über den Kopf gezogen. Hinter dem Fuhrwerk rollte eine lange Reihe von Lastautos, alle hellgrau gestrichen. Der Lärm der starken Motoren erschütterte die Luft. Es waren neue Wagen aus den Werken von Schellhammer, die ihre Probefahrten machten. Der Schmutz spritzte weit über die Straße, und Fabian trat zur Seite, um sie vorbeizulassen. Dann schritt er
wieder eilig weiter.
„Ja, natürlich, nahm er seine Gedanken wieder auf, es kamen wohl manche Dinge vor, die diese Großtat wieder verdunkelten, zugegeben. Vieles war erlogen, vieles wahr, man muß die Menschen kennen. Aber schließlich war es ja eine Revolution, nicht wahr, und für eine bis in die Tiefe des Volkes gehende Revolution bedeuteten solche Dinge nichts, nichts, rein nichts. In der Französischen Revolution zum Beispiel schlug man den Leuten, die die neuen Ideen nicht begreifen wollten, ganz ein- fach die Köpfe ab. Was ist dir nun lieber, daß man dir den Kopf abschlägt oder dich in einem Lager etwas, vielleicht etwas unsanft anpackt? Was ist dir lieber? Die Franzosen haben den Adligen den Kopf abgeschlagen, weil sie ganz einfach nicht be- greifen konnten, daß auch die Bürger Rechte hatten. Sie be- griffen es einfach nicht.“
Fabian hielt die Hand in die Luft. Der Regen hatte auf- gehört. Das reinste Aprilwetter, dachte er.
„Aber wir wollen weiter denken. Die Partei verfügt auf jeden Fall über viele beachtenswerte Ideen, ein Volk zu erziehen, ohne
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