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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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Ärger Tasche mit Laune

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Porzellanfabrik geschaffen hatte. Die Fabrik wollte einen Satz sechs solcher Leuchter herausbringen, deren Hauptmotiv lebendig gesehene, farbige Papageien und Kakadus bildeten. Wolfgang hatte sie in seinem eigenen Brennofen gebrannt.

Die Leuchter waren prächtig und erinnerten an altes Meißner Porzellan. Fabian und Gleichen waren beide begeistert. Fabian bat, die erste Serie für ihn reservieren zu wollen, während Gleichen immer wieder betonte, welch ein großes Verdienst es wäre, das armselige Kunstgewerbe neu zu beleben.

Natürlich weiß ich recht wohl, Gleichen, sagte Wolfgang, daß bei dem schauerlichen Schund in unserem Lande gutes Kunstgewerbe so dringend wie das tägliche Brot ist. Aber ich frage mich trotzdem; ob ich den Auftrag annehmen kann? Zeit, Zeit, woher soll ich all die Zeit nehmen?

Vor allem andern, vergessen Sie den ‚Kettensprenger nicht mahnte Gleichen.Ich werde wirklich böse, wenn Sie nicht Wort halten!

Sofort nach Tisch verließen Fabian und Gleichen das Haus des Bildhauers. Fabian mußte in die Stadt zurückkehren und Glei- chen, der noch einen Besuch in der Nachbarschaft vorhatte, wollte ihn einige Schritte begleiten.

Eine Weile gingen die beiden schweigend nebeneinander auf der Landstraße dahin, die an beiden Seiten von mächtigen Pappeln bestanden war. Die Felder waren lange abgeernter, da und dort lag noch gemähtes Grummet, das durchweicht war und unansehnlich erschien. Während sie bei Tisch saßen, mußte es heftig geregnet haben. Die Pappeln glänzten noch vor Nässe und an vielen Blättern hingen vereinzelte Tropfen.

Schließlich begann Gleichen in seiner schönen Sprechweise: Es hat den Anschein, als ob Ihr Bruder die Vorladung ein wenig auf die leichte Schulter nähme. Und doch hat sie gewiß nichts Gutes zu bedeuten.

Was wollen Sie, Herr Gleichen? Wolfgang hatte immer ein sorgloses Naturell, versetzte Fabian zerstreut.

Ich habe Ihren Bruder schon öfter darauf hingewiesen, daß man seine Worte, so harmlos sie auch sein mochten, falsch aus- legen könnte. Es handelt sich ja stets um die Tendenz der Inter-

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