KETTE DER TAGE 5
Und ein jeder Tag ist so grau und trüb und ein jeder Tag schleicht dahin-
die Tage rinnen, wie Wasser durch Sieb, stehlen sich fort wie ein trauriger Dieb, kaum bleibt uns ein Rest noch von Sinn.-
Und ein jeder Tag löscht uns etwas aus,
einen Funken in unsrer Brust—
Wir sagen nur noch:„die Liebe- das Haus“- doch es klingt nicht echt, das Echo bleibt aus, wir empfinden nicht mehr die Lust.—
Ein jeder Tag macht uns stumpfer und matt, Gefühle verdorren im Herz-{ man fühlt nur noch, ob der Magen auch satt, ob heut man noch Kraft zum Ertragen hat, und wir halten Roheit für Scherz.-
So stampft jeder Tag unser Ich zur Form, zum nichtssagenden Dutzendstück:.. jeder wird ein Häftling von gleicher Norm, ‘ auch die Seele trägt eine Uniform, nichts fühlend, nicht Leid mehr noch Glück. -,
Die Tage fallen, wie Hämmer so schwer
und schmieden uns nützlich und platt-
es sind schon zuviel und werden noch mehr,
die Tage sind grau, sind öd und sind leer
dem, der ein Fühlen noch hat.- 39


