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Kette der Tage : Gedichte aus Dachau / Kupfer-Koberwitz
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KETTE DER TAGE 5

Und ein jeder Tag ist so grau und trüb und ein jeder Tag schleicht dahin-

die Tage rinnen, wie Wasser durch Sieb, stehlen sich fort wie ein trauriger Dieb, kaum bleibt uns ein Rest noch von Sinn.-

Und ein jeder Tag löscht uns etwas aus,

einen Funken in unsrer Brust

Wir sagen nur noch:die Liebe- das Haus- doch es klingt nicht echt, das Echo bleibt aus, wir empfinden nicht mehr die Lust.

Ein jeder Tag macht uns stumpfer und matt, Gefühle verdorren im Herz-{ man fühlt nur noch, ob der Magen auch satt, ob heut man noch Kraft zum Ertragen hat, und wir halten Roheit für Scherz.-

So stampft jeder Tag unser Ich zur Form, zum nichtssagenden Dutzendstück:.. jeder wird ein Häftling von gleicher Norm, auch die Seele trägt eine Uniform, nichts fühlend, nicht Leid mehr noch Glück. -,

Die Tage fallen, wie Hämmer so schwer

und schmieden uns nützlich und platt-

es sind schon zuviel und werden noch mehr,

die Tage sind grau, sind öd und sind leer

dem, der ein Fühlen noch hat.- 39