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Kette der Tage : Gedichte aus Dachau / Kupfer-Koberwitz
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Denn Priester ist der, den der Geist beruft,

den Gott, der Herr, selbst entlohnt-

um ihn weht heilig des Ewigen Duft,

wen solch ein Priester zu Göttlichem ruft,

der fühlt, daß Gott in ihm thront.

KAMERAD SEIN-

Kamerad, das ist ein sehr schönes Wort,

doch es sein, das ist tief und schwer- es hat einen Sinn, wie ein goldener Hort, doch jeder gebraucht es an jeglichem Ort, nun ist es verbraucht und ist leer.-

Kamerad sein ist viel, ist wie ein Freund,

der stützt, der hilft und der trägt-

wer hier sich Kamerad nennt, ist nicht dein Freund,

ist einer, der schreit und der schlägt.-

Kamerad, das klingt in den Ohren uns schlecht,

wie ein übel erdachter Scherz-

drauf haben nur wenige Anspruch und Recht, denn nur wenige haben ein Herz.-

Sie nennen sich Kamerad,

doch sie können's nicht sein.

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Kamerad sein heißt: Mensch sein.

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Die alles verloren, verloren das Menschsein auch.