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Kette der Tage : Gedichte aus Dachau / Kupfer-Koberwitz
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versinken in ihrer äußeren Not,

die Seele denkt nur an Brot und Brot, singt nicht mehr Psalmen so froh.-

Da sagen viele, Verachtung im Ton: ,, Die Pfaffen, das schwarze Pack-

man kennt sie, so waren sie früher schon, man riecht der Hölle Geschmack."

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Alle trifft so, was nicht allen gebührt;

sind Priester von innen her,

die haben anders ihr Leben geführt,

ihr goldenes Wort hat manchen gerührt,

ihre Hand war niemals leer.-

Deren Seele ist nun das Meẞgewand,

ihr Geist das heilig Gerät,

sie gehen still strahlend über das Land, gehen demütig durch der Zungen Brand und haben Liebe gesät.-

Solche Soutane verblich keine Zeit, sie strahlte mehr denn zuvor;- voller Vertrauen, in schwarzem Leid, nahte ihnen, die ohne Ordenskleid, der Gläubige beichtend dem Ohr. -

Der Priester strahlte, der Pfaffe verblich, der tote Worte gelehrt,

der geistwahre Priester stand königlich,

und all seines Elendes Makel wich

von ihm er blieb unversehrt.

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