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bis den Dieb man fand und bespuckt.-
Der Brotdieb, der andern das Leben stahl, kein Erbarmen war für ihn da,
sie gönnten ihm alle den Schmerz, die Qual und jeder schlug ihn, der ihn sah.-
Und er, der so elend und hungrig war,
der bat sie in seiner Not:
,, Kam'raden, schlagt mich nicht tot!-
Ich stahl, weil halb irr ich vor Hunger war." Doch sie schlugen den Brotdieb tot.-
Das Brot ist rar, ist unser Gold,
weh, wenn Brot einer stehlen sollt',
kein Pardon wird gegeben,
denn Brot ist unser Leben!-
Der Hunger geht weiter, er bleibet nicht stehn,
frißt uns Gedärm und Gedanken-
viele Brotdiebe habe ich sterben gesehn
und viele Verhungernde wanken.-
Viele von uns wurden schwach und schlecht,
der Hunger fraß ihre Seelen:
für Brot dienten sie der SS als Knecht
und mußten uns dafür quälen.
Und sie, die nun gar nie mehr hungrig sind,
verstehen nicht unsere Pein,
schlagen mit Knüppeln darein,
sie sind gekauft, ihr Herz wurde blind,
denn-- Brot wiegt schwerer als Gold.-


