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Eine Frau kam angelaufen: die Russen seien am anderen Ende des Dorfes. Wir standen am Küchen- fenster und schauten auf die Dorfstraße.

Oh!" rief ich aus.Nun kommt doch noch Militär! Organisation Todt !

Ein Flüchtling trat zu mir ans Fenster.Nein, nein! Das sind die Russen! Kommen Sie vom Fenster weg, um Gottes willen! Ich öffnete die Flurtüre. Vor der Türe hielten drei Rotarmisten auf Fahr- rädern, Gewehre im Arm. Ich trat auf sie zu, reichte ihnen die Hand und sagte auf russisch:Guten Tag, Genossen. In diesem Ort wird niemand schießen. Das Militär ist abgerückt, der Volkssturm hat sich entwaffnet. Die Nazis sind heute früh geflüchtet! Sie ergriffen die ihnen gebotene Hand, schüttelten sie und kamen ins Haus. Schnaps wollten sie zum Willkommen haben. Ich setzte ihnen drei Gläschen vor. Schallende Heiterkeit! In Tassen muß man Schnaps trinken! So schmeckt man ja nichts! In der Küche hatten sich alle Hausbewohner versammelt. Einer der Rotarmisten hielt eine Rede. Dann schüttelten sie allen die Hände, setzten sich auf ihre Fahrräder und fuhren zurück. Eine halbe Stunde später marschierten russische Truppen im Dorfe ein.

Vier Wochen blieb ich noch im Ort. Am Tag, nachdem die Dorfuhr repariert und die letzten Kar- toffeln gelegt waren, fuhr ich ab: nach Berlin .

Die letzte Nacht der abenteuerlichen Fahrt lag ich auf einem Waggondach, auf einem Strohsack. Neben mir lag ein Mann, den ich aus der Zeit vor 1933 von einer Arbeiter-Sportgruppe her kannte. Alles, was zur Bewärmung dienlich war, hatten wir gemeinsam über uns gebreitet. An der Windseite lag sein kleiner Hund. Unter uns lärmten die Wachmann- schaften. Der Zug ratterte. Ich sah zu den Sternen hinauf. Das Herz schlug mir zum Zerspringen.

Im Lager hatten wir oft an den Tag der Heim-

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