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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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etwas passiert ist, Karl?", fragt N. vorsichtig. ,, Meinem Bruder? Ja natürlich, aber im Lager sind Zehntausende in Gefahr!" ,, Auf geht's!"- mit diesem alten Dachauer Schlachtruf, der sie in den vielen Jahren unzählige Male zur Arbeit trieb und zum Appell jagte, machen sie sich nun zur Rettung ihrer Kameraden wieder auf den Weg.

Aus nordöstlicher Richtung dringt näherkommender Geschützdon­ner. Das gibt den beiden nächtlichen Wanderern, die bereits seit über einer Stunde auf den Schwellen der Eisenbahngeleise nach Petershausen laufen, neue Energie. Mehrfach begegnen sie Sol­daten, die pötzlich aus der Dunkelheit auftauchen und nach einem flüchtigen Gruß ihren Weg fortsetzen. Endlich haben sie wieder eine feste Straße unter ihren wunden Füßen. Küchenwagen, Bat­terien und Lazarettautos rollen stoßend und rüttelnd an ihnen vor­bei. Ihr dumpfer Lärm beherrscht den Weg, auf dem sich das deutsche Heer zurückzieht.

Niemand kümmert sich um die beiden Männer.

Im Lichte der aufkommenden Morgendämmerung nähern sie sich bei Ilmünster der Straße von Freising nach Pfaffenhofen . Durch­näẞt von einem unfreiwilligen Bad in einem Bach, suchen sie Dek­kung in einem dichten Gebüsch, um sich dort den Tag über zu verstecken und etwas zu schlafen.

In der späten Abenddämmerung gelingt es ihnen dann, bei Klo­sterscheuern durch die Feuerlinie zu kommen.

Artilleriegeschosse durchpflügen ununterbrochen die Erde. Schwere Regenschauer durchweichen aufs neue ihre halbgetrockneten Klei­der. In einer verlassenen, offenen Scheune sammeln sie dann frische Kräfte durch einen kurzen Schlaf.

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In den frühen Morgenstunden des Sonnabends erreichen sie Win­den; bei einem ihnen bekannten Bauern auch deutsche Soldaten und SS beherbergt stecken.

der allerdings jetzt können sie sich ver­

Später riskiert Karl einen Besuch im Dorfgasthof und wagt sogar, sich in ein Gespräch mit SS - Leuten einzulassen, die erzählen, daß bei Klosterscheuern starke amerikanische Kräfte mit Hunderten von Panzern aufgetaucht sind.

Noch eine Nacht verbringen sie bei dem gastfreien Bauern in Winden, dann geht Karl in den frühesten Morgenstunden nach Pfaffenhofen , um sich dort im Rathause beim amerikanischen Kom­mandanten melden zu lassen. Mittags gegen zwölf Uhr wird er

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